____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Erich Honecker
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Erich Ernst Paul Honecker (* 25. August 1912 in Neunkirchen (Saar); â 29. Mai 1994 in Santiago de Chile) war ein deutscher kommunistischer Politiker (KPD, SED). Von 1971 bis zu seiner Entmachtung 1989 war er der maĂgebliche Politiker der Deutschen Demokratischen Republik.
Honecker war ab 1931 hauptamtlicher Funktionär der KPD. 1935 wegen Widerstands gegen den Nationalsozialismus (Hochverrat) zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, war er nach der Befreiung vom Nationalsozialismus 1946 MitbegrĂźnder der Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ). Er war 1961 als Sekretär fĂźr Sicherheitsfragen des ZK der SED und Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR) maĂgeblicher Organisator des Baus der Berliner Mauer und trug in diesen Funktionen den SchieĂbefehl an der innerdeutschen Grenze mit. Als einer seiner grĂśĂten Erfolge gilt die Anerkennung der DDR als Vollmitglied der Vereinten Nationen 1973.
Im Laufe der 1980er Jahre wurden die wirtschaftliche Lage, die Beziehungen zur Fßhrungsmacht Sowjetunion unter Gorbatschow und die innenpolitische Lage der DDR zunehmend schwieriger. Bei seinem offiziellen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland im September 1987 wurde Honecker in Bonn von Bundeskanzler Helmut Kohl und in seiner saarländischen Heimat von Ministerpräsident Oskar Lafontaine empfangen.cite-ref-1[1]
Unter dem Eindruck der friedlichen Revolution in der DDR zwang das SED-PolitbĂźro Honecker am 17. Oktober 1989 zum RĂźcktritt am Folgetag. Wegen seiner Verantwortung fĂźr Menschenrechtsverletzungen in der DDR kam er 1992 in Berlin vor Gericht; das Verfahren wurde aber aufgrund seiner Krankheit und seiner darauf bezogenen Verfassungsbeschwerde eingestellt. Honecker reiste umgehend zu seiner Familie nach Chile, wo er im Mai 1994 starb.
Honecker war 1946â1955 Erster Sekretär des Zentralrates der FDJ, 1946â1989 Mitglied des ZK der SED, 1948â1989 Abgeordneter des Volksrates der SBZ bzw. der Volkskammer der DDR (SED), 1958â1989 Mitglied des Sekretariats des ZK der SED, 1958â1989 Mitglied des PolitbĂźros des ZK der SED, 1960â1971 Sekretär und 1971â1989 Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, 1971â1976 Erster Sekretär bzw. 1976â1989 Generalsekretär des ZK der SED, 1971â1976 Mitglied und 1976â1989 Vorsitzender des Staatsrats der DDR.
Contents
⢠Anlauf zur Macht
⢠Machtstrukturen
⢠Privatleben
⢠Aus meinem Leben
⢠Strafverfolgung
⢠Lebenslauf
⢠Auftreten
⢠In Bild und Ton
⢠In der Kunst
⢠Schriften
⢠Filme
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Anmerkungen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Werdegang des Jungkommunisten
Kindheit und Jugend
Sein Vater Wilhelm Honecker (1881â1969) war Bergarbeiter und heiratete 1905 Caroline Catharina Weidenhof (1883â1963). Zusammen hatte das Paar sechs Kinder: Katharina (Käthe, 1906â1925), Wilhelm (Willi, 1907â1944),cite-ref-volksbund-de-2-0[2] Frieda (1909â1974), Erich, Gertrud (verheiratete Hoppstädter, 1917â2010) und Karl-Robert (1923â1947).cite-ref-volksbund-de-2-1[2]
Erich Honecker kam in Neunkirchen (Saar) in der KarlstraĂe (seit 1945 Max-Braun-StraĂe) zur Welt, das damalige Wohnhaus der Familie wurde im Jahr 2024 bei einem Brand schwer beschädigt.cite-ref-3[3] Die Honeckers zogen kurz nach seiner Geburt in den heutigen Neunkircher Stadtteil Wiebelskirchen in die KuchenbergstraĂe 88. Er besuchte die evangelische Grundschule. 1922 wurde er noch vor seinem zehnten Geburtstag in der fĂźnfzig Mitglieder zählenden kommunistischen Kindergruppe von Wiebelskirchen untergebracht, die auch seine Geschwister Willi, Frieda und Gertrud besuchten und die später in Jung-Spartakus-Bund umbenannt wurde. Nach der dritten Klasse wechselte er in die evangelische Hauptschule, die er 1926 nach der achten Klasse verlieĂ, womit automatisch seine Mitgliedschaft im Jung-Spartakus-Bund endete.cite-ref-4[4]
Die in ihrem Revier des Saarlandes familiär eng vernetzten Honeckers zählten als Hausbesitzer und Vermieter mit Obst- und GemĂźsegarten und einer Agrarparzelle zu den wohlhabenderen Bergleuten in Wiebelskirchen und waren materiell vergleichsweise gut gesichert,cite-ref-5[5] da sie ihren kleinen Besitz von Generation zu Generation weitergeben konnten, hinter dem Haus Stallungen fĂźr eine Kuh besaĂen und Ziegen, Kaninchen und zeitweise ein oder zwei Schweine hielten. Den SteckrĂźbenwinter 1916/17, der zu einer reichsweiten Hungersnot fĂźhrte, Ăźberstand die Familie durch ihre bescheidene Landwirtschaft, die ihre Ernährungslage während der Kriegsjahre verbesserte, während der Vater Wilhelm Honecker als Matrose an der Front kaum eingesetzt wurde. Entgegen den Darstellungen Erich Honeckers war sein Vater nicht am Kieler Matrosenaufstand beteiligt. Er war in Wahrheit bereits Ende Juli 1917 als âReklamierterâ nach Wiebelskirchen zurĂźckgekehrt, nachdem die Oberste Heeresleitung den Abzug von 40.000 Bergarbeitern von der Front angeordnet hatte, weil deren ziviler Einsatz unter Tage wegen der zwischenzeitlich dramatischen Brennstoffknappheit wichtiger als ihr Dienst als Soldaten geworden war. Ebenso trat Wilhelm Honecker nicht bereits in Kiel, wie sein Sohn behauptete, der USPD bei, sondern wahrscheinlich erst nach seiner Heimkehr ins Saarland, wo die USPD erst Anfang 1918 entstanden war.cite-ref-6[6]
Die im Saarland paritätisch von SPD- und USPD-Vertretern gebildeten Arbeiter- und Soldatenräte wurden bereits am 24. November 1918 von der einmarschierenden franzÜsischen Armee aufgelÜst. Durch das im Versailler Vertrag integrierte Saarstatut wurde das Saargebiet als vÜlkerrechtlich neues Gebilde fßnfzehn Jahre lang Teil des franzÜsischen Zoll- und Währungsgebietes, politisch beherrscht von einer vom VÜlkerbund eingesetzten Regierungskommission. Die Familie Honecker behielt die deutsche Staatsbßrgerschaft bei, stand aber dem katholischen Milieu fern, dem die Mehrheit der SaarbevÜlkerung angehÜrte, und wurde vom sich herausbildenden linksproletarischen Milieu angezogen.cite-ref-7[7]
Als Honecker nach der Schulzeit wegen der verschlechterten Wirtschaftslage keine Lehrstelle fand, drängten ihn seine Eltern zu Ostern 1926 als 13-Jährigen, eine anderweitige Beschäftigung auf dem ihm von der Kinderlandverschickung her bekannten Hof des Bauern Wilhelm Streich, im hinterpommerschen Neudorf, in der Nähe der Kreisstadt Bublitz, anzunehmen. Honeckers Memoiren zufolge habe er sich dort zwei Jahre lang nur fĂźr freies Essen und freie Kleidung aufgehalten, âum in der Landwirtschaft zu arbeitenâ. Streich behandelte ihn jedoch fast als seinen kĂźnftigen Schwiegersohn, machte ihn zum Jungbauern, Ăźberantwortete Honecker infolge einer Kriegsverletzung schlieĂlich die gesamte Feldbestellung und entlohnte ihn mit 20 Reichsmark monatlich. Im FrĂźhjahr 1928 verzichtete Honecker auf die materiellen Verlockungen der in Aussicht gestellten HofĂźbernahme. Seine Gastfamilie kleidete ihn daraufhin neu ein, stattete ihn mit Geld aus und er kehrte nach Wiebelskirchen zurĂźck. Da er als Landwirtschaftsgehilfe keine Anstellung fand, lieĂ er sich bei seinem Onkel Ludwig Weidenhof, der im Erdgeschoss seines Elternhauses ein Dachdeckergeschäft betrieb, als Gehilfe anlernen. AnschlieĂend nahm er eine Lehre als Dachdecker beim Wiebelskirchener Dachdeckermeister MĂźller an.cite-ref-8[8]
Beginn der Tätigkeit fßr die KPD und stalinistische Schulung
Am 1. Dezember 1928 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD) â Bezirk Saar bei. Der KJVD zählte zu dieser Zeit nur noch 200 Mitglieder in elf Ortsgruppen. In seiner späteren DDR-Kaderakte datierte er das KJVD-Eintrittsdatum auf 1926 zurĂźck, um seine zweijährige Tätigkeit als Jungbauer in Hinterpommern in seiner politischen Kampfbiographie zu vertuschen. Er galt in den konkurrierenden Jugendverbänden der Sozialdemokratie und des Zentrums als âder WortfĂźhrer der Kommunistenâ. 1929 wurde er in die Bezirksleitung des KJVD-Saar gewählt. Parallel absolvierte er diverse innerparteiliche Schulungen, um sich auf die Ăbernahme leitender Funktionen im KPD-Jugendverband vorzubereiten. Im Dezember 1929 beteiligte er sich in Dudweiler an einem zweiwĂśchigen Lehrgang der KJVD-Bezirksschule Ăźber marxistische Theorie und praktische Jugendarbeit.cite-ref-9[9] In seiner Freizeit widmete sich Honecker seinen Mitgliedschaften im Ăśrtlichen Spielmannszug und in der Jugendorganisation des Roten Frontkämpferbundes, Roter Jungsturm, der später in Rote Jungfront umbenannt wurde. Im Kommunistischen Jugendverband war er zunächst Kassierer und später Leiter der Wiebelskirchener Ortsgruppe. Honecker schloss sich formell der KPD an, nachdem er bereits in verschiedenen Institutionen des kommunistischen Parteimilieus aktiv gewesen war. Das genaue Datum seines Parteieintritts konnte nicht ermittelt werden. Honecker selbst gab fĂźr seine Aufnahme in die KPD nach 1945 erst das Jahr 1930 und ein anderes Mal âHerbst 1931â an. SchlieĂlich verlegte er den Parteieintritt auf das mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise verbundene Jahr 1929 vor (und wurde entsprechend 1979 von der SED fĂźr seine fĂźnfzigjährige Parteimitgliedschaft geehrt).cite-ref-10[10] Im Juli 1930 meldete sich Honecker mit 27 weiteren Auserwählten aus den verschiedenen KJVD-Bezirken beim Parteivorstand der KPD im Berliner Karl-Liebknecht-Haus â um an einem Vorbereitungslehrgang fĂźr ein Schulungsjahr an der Internationalen Lenin-Schule in Moskau teilzunehmen â, der an der Reichsparteischule der KPD in Fichtenau (heute ein Ortsteil von SchĂśneiche bei Berlin) stattfand. In dieser âLehrstätte der Berufsrevolutionâ, so der Historiker Martin Sabrow, fand jener Ăbergangsritus statt, âder das Individuum in den Genossen verwandelte und einer von persĂśnlichen GefĂźhlen, Skrupeln, Zweifeln nicht mehr erreichbaren Herrschaft der kommunistischen Lebenswelt und ihrer Partei unterwarfâ. In einem symbolischen Aufnahmeakt bekam Honecker hier seinen auch in Moskau zu fĂźhrenden neuen Parteinamen Fritz Molter zugeteilt und wurde mit den anderen Lehrgangsgenossen in die Grundlagen konspirativen Verhaltens eingefĂźhrt. Man vermittelte ihnen âdie ersten EindrĂźcke einer charismatischen Auserwähltheit durch Ăźberlegene Einsicht, die zur Faszination der in paradoxer Weise rationalitätsgläubigen Herrschaft des Kommunismus im 20. Jahrhundert so entscheidend beitrugâ.cite-ref-11[11]
Seine Dachdeckerlehre brach Honecker â wegen der Abreise im August 1930 zur Schulung an der vom Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) errichteten Moskauer stalinistischen Kaderschmiede â nach zwei Jahren ohne GesellenprĂźfung ab. Im Sommer 1931 absolvierte er das obligatorische, von der Kommunistischen Jugendinternationale (KIM) eingerichtete Praktikum des KIM-Kurses, aus dem zahlreiche Kaderkräfte kommunistischer Machtapparate in Ostmitteleuropa nach 1945 hervorgingen, und in dessen Rahmen er mit 27 anderen Kursanten als âInternationale StoĂbrigadeâ an einem Arbeitseinsatz in Magnitogorsk teilnahm. Dort entstand seit 1929 ein Stahlwerk als kĂźnftiges Zentrum der sowjetischen Stahlgewinnung. Honeckers Lehrer an der Leninschule war Erich Wollenberg, der während des GroĂen Terrors, im Zuge der Wollenberg-Hoelz-VerschwĂśrung durch das NKWD als Gegner Stalins verfolgt wurde. In der Ăra der Schulleiterin Kirsanowa, die bis zu ihrer endgĂźltigen Absetzung 1937 als âeiserne Stalinistinâ galt, wurde Honecker âReinigungsritualenâ durch Anklage und Selbstanklage unterzogen. Damit sollten sich seine Ich-Interessen innerhalb eines geschlossenen Weltbildes systematisch dem Kollektiv und den Interessen der Partei unterordnen. Sechs Tage in der Woche hatte er ein rigides tägliches Arbeitspensum von zehn Stunden und mehr abzuleisten. Das Pensum einer Schulstunde umfasste 4â5 Seiten Marx oder Engels, 6â7 Seiten Lenin, 7â8 Seiten Stalin und 20 Seiten Belletristik. Bis zu seinem Lebensende blieb Stalin â so Martin Sabrow â Honeckers prägendste politische Bezugsfigur.cite-ref-12[12]
Während seiner Moskauer Kaderschulung lernte Honecker auf einer der Kultur- und Tanzveranstaltungen des Elektrokombinats Elektrosawod seine erste Freundin Natascha Grejewna kennen, womit er gegen die strengen Konspirationsregeln der Kominternschule verstieĂ, die es ihm strikt untersagten, mit Unbekannten anzubändeln. Die Entdeckung dieser Liebelei hätte zum Abbruch von Honeckers Schullaufbahn fĂźhren kĂśnnen. Im August 1931 kehrte Honecker nach Wiebelskirchen zurĂźck, um im September in SaarbrĂźcken eine hauptamtliche Tätigkeit an der Spitze des KJVD im Saargebiet aufzunehmen.cite-ref-13[13]
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Nach der MachtĂźbernahme der NSDAP 1933 war die Arbeit der KPD in Deutschland nur noch im Untergrund mĂśglich. Das Saargebiet jedoch gehĂśrte damals nicht zum Deutschen Reich, und auch Honecker ging dorthin. Mitte August 1933 bis zum späten FrĂźhjahr 1934 wurde er jedoch ins Ruhrgebiet gesandt. Er war beauftragt, als politischer Leiter der Bezirksorganisation des KJVD die antifaschistische Arbeit unter der Jugend im Ruhrgebiet zu organisieren und anzuleiten. Details dieser illegalen Arbeit, die Verbindungen zum antifaschistischen katholischen Kaplan Joseph Rossaint, zu katholischen Jugendorganisationen und Ăźber die besondere UnterstĂźtzung durch die bekannte antifaschistische Oberhausener Familie Rentmeister schildert Honecker in einem Beitrag fĂźr die WAZ vom 3. Juni 1989.cite-ref-14[14] Honecker wurde kurz in Deutschland inhaftiert, jedoch bald entlassen. Die Partei entsandte ihn im Sommer 1934 ins Saargebiet zurĂźck, um an der Seite des Mitglieds der KPD-Inlandsleitung Herbert Wehner den Kurswechsel der KPD in der Saarfrage gegenĂźber Ăśrtlichen Parteifunktionären durchzusetzen. In der Kampagne gegen die Wiederangliederung an Deutschland arbeitete er auch mit dem späteren ersten saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann zusammen. Ein halbes Jahr später stimmten bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 jedoch 90,73 Prozent der Wähler fĂźr eine Vereinigung mit Deutschland (âHeim ins Reichâ). Der Jungfunktionär floh, wie 4000â8000 andere Menschen auch, zunächst nach Frankreich.
Am 28. August 1935 reiste Honecker unter dem Decknamen âMarten Tjadenâ mit einer Druckerpresse im Gepäck illegal nach Berlin und war wieder im Widerstand tätig. Am 4. Dezember 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet. Nach fĂźnftägigen Vernehmungen durch den Heydrich nahestehenden Heinrich MĂźller â ohne die sonst im Umgang mit dem kommunistischen Widerstand Ăźblichen systematischen Foltermethodencite-ref-15[15] â ging die Sache nach Ausstellung des Haftbefehls durch das Landgericht Berlin an den Volksgerichtshof, wo Hans-Joachim Rehse bis März 1937 â im Wesentlichen ohne zusätzliche Ergebnisse â weiter gegen Honecker ermittelte. Aus dem Hausgefängnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-StraĂe war dieser zunächst ins Columbia-Haus gebracht und am 15. Dezember 1935 ins Untersuchungsgefängnis Moabit Ăźberstellt worden.cite-ref-16[16]
Am 8. Juni 1937 wurde er von einem Senat des Volksgerichtshofes unter Vorsitz von Robert Hartmann der âVorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter erschwerenden Umständenâ fĂźr schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren verurteilt; der ebenfalls angeklagte Bruno Baum wurde zu dreizehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach den Gerichtsakten war es Honeckers mangelnde Vorsicht in heikler Lage, die zum Auffliegen einer tschechischen Kundschafterin und schlieĂlich seiner gesamten Widerstandsgruppe beigetragen hatte. Die Akten belegen auch, dass Honecker ebenso wie Bruno Baum weitgehend gestand, was die Gestapo bis dahin bereits ermittelt hatte, sodass man einander unter den mitgefangenen Genossen auch wechselseitig belastete.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Der spätere Stasi-Chef Erich Mielke verwahrte zu DDR-Zeiten in einem roten Koffer Akten Ăźber Honecker aus dieser Zeit, etwa die Korrespondenz des Vaters mit der Gefängnisleitung. MĂśglicherweise wollte Mielke etwas gegen Honecker in der Hand haben; denn jener sprach nie darĂźber.
Langjähriger Häftling in NS-Strafanstalten
Nach dem Gerichtsurteil wurde Honecker fĂźr einen Monat in die Strafanstalt PlĂśtzensee verlegt, ehe er ab 6. Juli 1937 im Zuchthaus Brandenburg-GĂśrden einsaĂ.cite-ref-19[19] Aus der zunächst fĂźr ihn angeordneten Einzelhaft, die den langzeitverurteilten Jungkommunisten von politisch weniger gefährlich eingeschätzten Mithäftlingen fernhalten sollte, kam Honecker nach einem halben Jahr in eine Dreimannzelle und wurde zugleich fĂźr zwei Jahre Kalfaktor des Anstaltarztes. Noch in zwei weiteren Funktionen kam Honecker als Kalfaktor zur Organisation der Gefängnisarbeit zum Einsatz: bei der Garnverwertung und bei der Herstellung von Kriegsspielzeug.cite-ref-20[20]
Im FrĂźhjahr 1943 teilte man ihn als angelernten Dachdecker einer Baukolonne zu, die mit LKW zu den durch Bomberangriffe beschädigten Gebäuden in der Umgebung gefahren wurde, um die Bombenschäden zu reparieren. Bald danach wurde die Baukolonne auch in Berlin eingesetzt, um in Häusern oder auf der StraĂe eingeschlagene Bomben zur Entschärfung durch Kampfmittelexperten freizulegen â ohne angemessene AusrĂźstung und Ausbildung in Honeckers Worten ein âHimmelfahrtskommandoâ.cite-ref-21[21] Während des Winters 1943/44 wurde Honecker in Berlin immer wieder fĂźr Aufgaben eingesetzt, âdie jeden weglaufen lieĂen, der nicht lebensmĂźde warâ. Dazu gehĂśrte das Ausgraben VerschĂźtteter aus einsturzgefährdeten Kellern sowie auf Hausdächern die hastige Entfernung von Brandstäben und LĂśschungsversuche von Phosphorgeschossen durch SandwĂźrfe. Im FrĂźhjahr 1944 wurde Honeckers Arbeitskommando nach Berlin verlegt und im Frauengefängnis BarnimstraĂe untergebracht, auf dessen Dach Honecker am 26. Februar 1945 bei einem schweren Luftangriff die Ăbersicht behielt.cite-ref-22[22] Honecker besorgte Lampen, Hacken und Schaufeln, um sich zu den VerschĂźtteten unter dem von Luftminen getroffenen ZellenflĂźgel des Frauengefängnisses durchzugraben. Die Verbringung eines verletzten Niederländers vorbei an SS-Wachen in den Bunker Friedrichshain gelang ihm mit Hilfe der Gefängnisaufseherin Charlotte Schanuel. Diese wurde 1946 seine erste Frau, was Honecker jedoch zeitlebens unerwähnt lieĂ.cite-ref-23[23]
Am 6. März 1945 flohen Honecker und der Mithäftling Erich Hanke auf hoch riskante Weise Ăźber den Dachfirst des Frauengefängnisses wohl vor der doppelten Gefahr, entweder als politische Häftlinge in letzter Kriegsstunde liquidiert zu werden oder wie andere âzur Bewährung als Deutscheâ noch in einen todbringenden Fronteinsatz gepresst zu werden. In notdĂźrftig umgearbeiteter Häftlingskleidung durchstreiften beide â in steter Gefahr aufzufliegen â StraĂenzĂźge Lichtenbergs und NeukĂśllns auf langer, vergeblicher Suche nach einem Unterschlupf bei Bekannten, die entweder nicht vor Ort oder deren Wohnungen ausgebombt waren. SchlieĂlich ergab sich â bei Gefahr, ein ganzes konspiratives Untergrundnetz auffliegen zu lassen â eine Zuflucht in NeukĂślln fĂźr eine Nacht, und eine weitere Nacht bei einem Onkel Hankes. Danach musste sich Honecker allein durch die ihm fremde Stadt schlagen und beschloss, sich am Wohnort Charlotte Schanuels und ihrer Mutter (âOma Grundâ) in der Landsberger StraĂe 37 unweit des Frauengefängnisses zu verstecken. Nach einer Woche erschien aber auch dort seine Lage so unhaltbar, dass er, wohl aus Furcht vor Entdeckung und Auslieferung an die Gestapo, den Weg zurĂźck ins Frauengefängnis antrat und dort, unterstĂźtzt von Charlotte Schanuel und dem zuständigen Staatsanwalt Kolb â der Honeckers Einsatz vom 26. Februar gewĂźrdigt hatte â straflos wieder aufgenommen wurde.cite-ref-24[24]
Befreiung, Kontakte zur kommunistischen FĂźhrung und erste Ehe
Als am 21. April 1945 bei der Schlacht um Berlin die Panzer der Roten Armee die Ăśstliche Stadtgrenze Berlins erreichten, verlieĂ Honeckers Baukolonne das Frauengefängnis in Friedrichshain, um Ăźber das Zuchthaus PlĂśtzensee den RĂźckweg nach Brandenburg-GĂśrden anzutreten, wo sie am 23. April eintraf. Nach der Befreiung des Zuchthauses durch einen Panzer der Roten Armee am 27. April machte sich Honecker ohne RĂźcksicht auf seine kommunistischen Genossen unter den Häftlingen, die erst am Folgetag geschlossen zum Marsch nach Berlin aufbrachen, in Begleitung des Mithäftlings Alfred Perl auf den Weg zu Charlotte Schanuel und ihrer Mutter.cite-ref-25[25] Dieses Handeln abseits von Partei- und Genossensolidarität bereitete Honecker später innerparteiliche Schwierigkeiten und belastete sein Verhältnis zu ehemaligen Mithäftlingen. GegenĂźber der Ăffentlichkeit verfälschte Honecker das Geschehen in seinen Lebenserinnerungen und in Interviews.cite-ref-26[26]
Die beiden eilig Aufgebrochenen kamen nicht weit, sondern wurden von polnischen und sowjetischen Militärs aufgegriffen und in Richtung Brandenburg zurĂźckgefĂźhrt, wo sich ihre Wege trennten. Honecker wurde nach eigenen Angaben Berater des Komsomolsekretärs der Armeeeinheit, die ihn abgefangen hatte, und begleitete diesen bei dienstlichen Fahrten unter anderem nach Oranienburg und Bernau bei Berlin, wo er am 4. Mai in die Freiheit entlassen wurde und zu FuĂ Ăźber Berlin-WeiĂensee noch am Abend bei den Schanuels in der Landsberger StraĂe 37 ankam.cite-ref-27[27]
Erste politische Nachkriegsaktivitäten Honeckers galten nach eigener Auskunft der Sammlung von Mitgliedern der KPD und des Kommunistischen Jugendverbands vor Ort in Friedrichshain sowie der Beschaffung von Flaggen der Siegermächte zur AusschmĂźckung der Landsberger StraĂe anlässlich der deutschen Gesamtkapitulation am 8. Mai 1945. Zwei Tage später begegnete Honecker in der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee in Berlin-Lichtenberg zufällig Richard Gyptner, der ihn in die Gruppe Ulbricht einfĂźhrte, wo er auch alte Bekannte wie Hans Mahle und Grete Keilson traf.cite-ref-28[28] Durch Waldemar Schmidt wurde er mit Walter Ulbricht bekannt gemacht.cite-ref-29[29] Ăber die zukĂźnftige Funktion Honeckers fiel bis zum Sommer 1945 noch keine Entscheidung, da er sich einem Parteiverfahren stellen musste, das mit einer strengen RĂźge endete. Zur Sprache kam dabei auch seine Flucht aus dem Zuchthaus Anfang 1945.cite-ref-30[30] Doch berief man ihn im April 1946 in den achtzigkĂśpfigen Parteivorstand; bald darauf wurde er GrĂźndungsvorsitzender der FDJ.cite-ref-31[31] Die Zwangsvereinigung von SPD und KPD im April 1946 begrĂźndete Honeckers Mitgliedschaft in der SED.
Wegen seiner Beziehung mit Gertrud Margarete Charlotte Drost, geschiedenecite-ref-32[32] Schanuel (* 30. April 1903 in Berlin-Wedding)cite-ref-33[33] die er stets zu verbergen suchte, blieb Honecker anders als die anderen FĂźhrungskader, die im Hauptquartier der Gruppe Ulbricht konzentriert waren, in der Landsberger StraĂe 37 wohnen. Am 23. Dezember 1946 fand auf dem Standesamt Berlin-Mitte die EheschlieĂung statt, bei der nicht etwa politische Gesinnungsfreunde Honeckers als Trauzeugen fungierten, sondern zwei Strafvollzugsaufseherinnen, Kolleginnen von Charlotte Schanuel. Doch bereits knapp ein halbes Jahr später verstarb Honeckers erste Frau unerwartet am 6. Juni 1947 im St.-Joseph-Krankenhaus in Berlin-WeiĂensee.cite-ref-34[34]
Karriere in der DDR
Anlauf zur Macht
In der im Oktober 1949 gegrĂźndeten DDR setzte Honecker seine politische Karriere zielstrebig fort. Als FDJ-Vorsitzender organisierte er 1950, 1954 und 1964 die drei Deutschlandtreffen der Jugend in Ost-Berlin und wurde einen Monat nach dem ersten Deutschlandtreffen als Kandidat ins PolitbĂźro des ZK der SED aufgenommen. Er war ein ausgesprochener Gegner kirchlicher Jugendgruppen.cite-ref-spiegel34-2012-35-0[35] In den innerparteilichen Auseinandersetzungen nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 stellte er sich gemeinsam mit Hermann Matern offen an die Seite Ulbrichts, den die Mehrheit des PolitbĂźros um Rudolf Herrnstadt zu stĂźrzen versuchte. Fortan genoss er Ulbrichts Vertrauen. Am 27. Mai 1955 gab er den FDJ-Vorsitz an Karl Namokel ab.
Von 1955 bis 1957 hielt er sich zu Schulungszwecken in Moskau auf und erlebte den XX. Parteitag der KPdSU einschlieĂlich der Geheimrede Chruschtschows zur Entstalinisierung mit. Nach seiner RĂźckkehr wurde er 1958 Mitglied des PolitbĂźros, wo er die Verantwortung fĂźr Militär- und Sicherheitsfragen Ăźbernahm, und 1960 Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR). Als Sekretär fĂźr Sicherheitsfragen des ZK der SED war er der maĂgebliche Organisator des Baus der Berliner Mauer im August 1961 und trug in dieser Funktion den SchieĂbefehl an der innerdeutschen Grenze mit.cite-ref-spiegel34-2012-35-1[35]cite-ref-36[36]
Auf dem 11. Plenum des ZK der SED, das im Dezember 1965 tagte, griff er als einer der WortfĂźhrer verschiedene Kulturschaffende wie die Regisseure Kurt Maetzig und Frank Beyer scharf an, denen er âUnmoralâ, âDekadenzâ, âspieĂbĂźrgerlichen Skeptizismusâ und âStaatsfeindlichkeitâ vorwarf. In diese Kritik bezog er auch einige kulturpolitisch Verantwortliche der SED mit ein, ohne sie allerdings namentlich zu nennen: Sie hätten âkeinen prinzipiellen Kampf gegen die [âŚ] aufgezeigten Erscheinungen gefĂźhrtâ. Das Plenum beendete die Ansätze einer kulturpolitischen Liberalisierung der DDR, die sich nach dem VI. Parteitag der SED im Januar 1963 gezeigt hatten.cite-ref-37[37]
MachtĂźbernahme 1971
Walter Ulbricht suchte sich des aufstrebenden Machtrivalen noch vor dem VIII. Parteitag 1971 zu entledigen. Er lieĂ Honecker auf einer auĂerordentlichen PolitbĂźrositzung am 1. Juli 1970 Ăźberraschend von der inoffiziellen Funktion des Leiters des Sekretariats des ZK suspendieren.cite-ref-38[38] Erich Honecker wandte sich daraufhin hilfesuchend an den sowjetischen ParteifĂźhrer Leonid Breschnew, zu dem er ein gutes Verhältnis hatte. Dieser lieĂ daraufhin den Beschluss, der nicht mit ihm abgestimmt worden war, auf der PolitbĂźrositzung am 7. Juli 1970 rĂźckgängig machen.cite-ref-39[39] Damit war die Machtfrage im Grunde entschieden. Nachdem sich Honecker nochmals der UnterstĂźtzung durch die sowjetische FĂźhrung vergewissert hatte, unterschrieben 13 von 20 Mitgliedern und Kandidaten des PolitbĂźros einen unter Honeckers FederfĂźhrung verfassten und auf den 21. Januar 1971 datierten Brief an Breschnew, in dem sie Ulbrichts Absetzung forderten.cite-ref-40[40]
Am 26. April 1971 fuhr Erich Honecker, begleitet von mit Maschinenpistolen bewaffneten Personen der âHauptabteilung Personenschutzâ, zum Sommersitz Ulbrichts nach GroĂ DĂślln. Dort lieĂ er alle Tore und Ausgänge besetzen, die Telefonleitungen kappen und zwang Ulbricht, ein RĂźcktrittsgesuch an das Zentralkomitee zu unterschreiben.cite-ref-41[41] Als Vorwand fĂźr die Entmachtung wurden Ăśffentlich gesundheitliche Probleme Ulbrichts angefĂźhrt.
Wirtschaftliche Probleme und Unmut in den Betrieben und in der Partei spielten eine groĂe Rolle bei diesem Machtwechsel. Während Ulbricht mit dem Neuen Ăkonomischen System der Planung und Leitung die Wirtschaftspolitik ins Zentrum gerĂźckt hatte, um damit den Aufbau und die technologische und systemorientierte Weiterentwicklung der Ăśkonomischen Basis voranzubringen, deklarierte Honecker die âEinheit von Wirtschafts- und Sozialpolitikâ zur Hauptaufgabe und leitete damit einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel ein.cite-ref-42[42]
Erich Honecker wurde am 3. Mai 1971 neuer Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED (ab 1976 Generalsekretär). Er Ăźbernahm 1971 zudem den Vorsitz im Nationalen Verteidigungsrat. Am 29. Oktober 1976 wählte ihn die Volkskammer schlieĂlich zum Vorsitzenden des Staatsrats.
Machtstrukturen
Damit hatte Erich Honecker die hĂśchsten Staatsämter in Personalunion inne. Von nun an entschied er gemeinsam mit dem SED-Chefideologen, Kurt Hager, dem ZK-Sekretär fĂźr Wirtschaftsfragen, GĂźnter Mittag, und dem Minister fĂźr Staatssicherheit, Erich Mielke, alle maĂgeblichen Fragen. Bis zum Oktober 1989 stand die âkleine strategische Cliqueâ aus diesen vier Männern unangefochten an der Spitze der herrschenden Klasse der DDR, der zunehmend vergreisenden Monopolelite der etwa 520 Staats- und Parteifunktionäre.cite-ref-43[43] Unter Honecker entwickelte sich das PolitbĂźro rasch zu einem Kollektiv von kritiklosen, unterwĂźrfigen Vollstreckern und Ja-Sagern.cite-ref-44[44] Eingaben von BĂźrgern lieĂ Honecker zĂźgig beantworten, weshalb ihn Sabrow in Anlehnung an die Wendung Friedrichs II. vom âersten Dienerâ seines Staates als vermeintlich âobersten KĂźmmerer seines Staatesâ bezeichnet hat.cite-ref-spiegel34-2012-35-2[35]
Honeckers engster persĂśnlicher Mitarbeiter war der ZK-Sekretär fĂźr Agitation und Propaganda, Joachim Herrmann. Mit ihm fĂźhrte er tägliche Besprechungen Ăźber die Medienarbeit der Partei, in denen auch das Layout des Neuen Deutschlands und die Abfolge der Meldungen in der Aktuellen Kamera festgelegt wurden. Auf schlechte Nachrichten Ăźber den Zustand der Wirtschaft reagierte er, indem er etwa 1978 das Institut fĂźr Meinungsforschung schlieĂen lieĂ.cite-ref-spiegel34-2012-35-3[35] GroĂe Bedeutung maĂ Honecker auch dem Feld der Staatssicherheit bei, das er einmal in der Woche jeweils nach der Sitzung des PolitbĂźros mit Erich Mielke durchsprach.cite-ref-45[45] Honeckers langjährige Sekretärin war Elli Kelm.
Innenpolitischer Kurs
Innenpolitisch zeichnete sich anfangs eine Liberalisierungstendenz vor allem im Bereich der Kultur und Kunst ab. Diese stand mĂśglicherweise auch im Zusammenhang mit den bevorstehenden X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin.
Nach dem KĂślner Konzert von Wolf Biermann im November 1976 und den massenhaften Proteste gegen dessen darauf folgende AusbĂźrgerung reagierte Erich Honecker hart. Danach verlieĂen zahlreiche KĂźnstler das Land. Damit endete seine kulturpolitische Liberalisierungsphase.
Zudem setzte Erich Honecker sich auch fĂźr den weiteren Ausbau der Sicherungsanlagen an der innerdeutschen Staatsgrenze mit Selbstschussanlagen und den Schusswaffengebrauch bei Grenzdurchbruchsversuchen ein.cite-ref-schusswaffe-46-0[46] 1974 sagte er dazu: âes sind die Genossen, die die SchuĂwaffe erfolgreich angewandt haben, zu belobigen.âcite-ref-schusswaffe-46-1[46]
Wirtschaftspolitisch wurde unter Honecker die Zentralisierung der Wirtschaft mit umfangreichen Verstaatlichungen entscheidend fortgefĂźhrt. Einigen technischen Neuerungen stand er aus ideologischen GrĂźnden skeptisch oder ablehnend gegenĂźber. Neuere Ăśkonomische und systemtheoretische Erkenntnisse in den Bereichen Heuristik, Ăśkonomische Kybernetik, Operationsforschung und Organisationsentwicklung wurden von ihm abgelehnt und verworfen, auch wenn damit erhebliche Nachteile in der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden waren.
Die schwierige wirtschaftliche Lage zwang zur Aufnahme von Milliardenkrediten von der Bundesrepublik Deutschland, um den Lebensstandard halten zu kĂśnnen.
Am 31. Dezember 1982 versuchte der Ofensetzer Paul EĂling, die Autokolonne Honeckers zu rammen, was in westlichen Medien als Attentat dargestellt wurde.
AuĂenpolitische Erfolge und internationale Kontakte
Erich Honecker erreichte bald nach seiner Machtßbernahme die internationale Anerkennung der DDR durch den Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik Deutschland 1972 und die Aufnahme der DDR in die UNO 1973. Danach nahmen viele Länder diplomatische Beziehungen zur DDR auf. 1975 vertrat er die DDR bei der Konferenz ßber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki.
â
Hauptartikel
:
Liste von Auslandsreisen von Erich Honecker
Honecker reiste zwischen 1971 und 1989 in 38 Länder, vor allem in die befreundeten sozialistischen Staaten und sozialistisch orientierte Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. AuĂerdem empfing er Repräsentanten aus etwa 50 Ländern.cite-ref-47[47]
Wichtig waren fĂźr ihn aber auch Reisen in westliche Länder, von denen er sich wirtschaftliche UnterstĂźtzung und eine Anerkennung der DDR erhoffte. Seine ersten Staatsbesuche in das westliche Ausland fĂźhrten ihn 1980 nach Ăsterreich und 1981 nach Japan.cite-ref-48[48]
1981 empfing er Bundeskanzler Helmut Schmidt am Werbellinsee. Die Londoner Financial Times verglich die beiden:
âWenn Helmut Schmidt, der westdeutsche Kanzler, zu Deutschlands besten Rednern gehĂśrt, so muss Erich Honecker einer der am wenigsten begabten sein. Sich seiner hohen Singsang-Stimme auszusetzen, die die Litanei der ostdeutschen Kommunistischen Partei beschwĂśrt, ohne auch nur einen Hauch von Emotion in seinem Gesicht, kann eine sterbenslangweilige Erfahrung sein.âcite-ref-49[49]
Honeckers Einschätzung, die DDR habe âwirtschaftlich Weltklasseniveau erreicht und gehĂśre zu den bedeutendsten Industrienationen der Weltâ, kommentierte Schmidt später mit dem Verdikt vom âMann von beschränkter Urteilskraftâ.cite-ref-50[50]
Danach folgten Reisen in zahlreiche weitere Länder, darunter nach Italien (1985), Schweden (1986) und Frankreich (1988).
Der HĂśhepunkt seines politischen Lebens war der Besuch in der Bundesrepublik Deutschland im September 1987, bei dem ihm fast alle protokollarischen Ehren eines Staatsoberhauptes durch die Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl erwiesen wurden.cite-ref-51[51] Er besuchte die Bundeshauptstadt Bonn, sowie DĂźsseldorf, Wuppertal (mit Engels-Haus), Essen, Trier (Geburtshaus Karl Marx), MĂźnchen und seinen Geburtsort Neunkirchen im Saarland. In einer emotionalen Rede sagte Honecker in Wiebelskirchen: â⌠dann wird auch der Tag kommen, an dem Grenzen uns nicht mehr trennen, sondern Grenzen uns vereinenâ. Diese ĂuĂerung sorgte bei den Mitgliedern der DDR-FĂźhrung in Berlin fĂźr Irritationen und veranlasste den sowjetischen Botschafter in der DDR, Wjatscheslaw Iwanowitsch Kotschemassow, innerhalb von zwei Stunden zu einer Mitteilung nach Moskau, dass âHonecker seltsame Dinge von sich gebeâ.cite-ref-spiegel34-2012-35-4[35]
Honeckers groĂes Ziel, das er aber nicht mehr erreichte, war ein offizieller Besuch in den USA. Er hatte dafĂźr in den letzten Jahren der DDR auf ein positives Verhältnis zum JĂźdischen Weltkongress als mĂśglichem âTĂźrĂśffnerâ gesetzt.cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]
Reformunwilligkeit
Erich Honecker setzte innenpolitisch einen relativ restriktiven Kurs durch, wenn er die âMachtfrageâ gefährdet sah. Die betraf auch Anliegen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Der geänderten sowjetischen Politik unter Michail Gorbatschow stand er ablehnend gegenĂźber. Dieser sondierte deshalb 1987, ob nicht ein Machtwechsel in der DDR mĂśglich sei.cite-ref-54[54] 1988 wurden einige sowjetische Filme und die Zeitschrift âSputnikâ in der DDR verboten. Stattdessen verlieh Erich Honecker dem rumänischen Staats- und Parteichef Nicolae CeauČescu wenige Tage danach den Karl-Marx-Orden, da dieser der wichtigste Partner im Widerstand gegen die sowjetische Reformpolitik war. Im Juni 1989 begrĂźĂte er die Niederschlagung der Demokratiebewegung in der Volksrepublik China durch das Tianâanmen-Massaker in Peking.
Den wachsenden Unmut in der BevĂślkerung und auch bei vielen Parteimitgliedern nahm er nicht wahr.
Sturz und RĂźcktritt
Auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Paktes in Bukarest am 7. und 8. Juli 1989 im Rahmen des âPolitisch-Beratenden Ausschussesâ der Staaten des Warschauer Paktes gab der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow die bisherige Breschnew-Doktrin der begrenzten Souveränität der Mitgliedsstaaten auf und verkĂźndete die âFreiheit der Wahlâ: Die Beziehungen untereinander sollten kĂźnftig âauf der Grundlage der Gleichheit, Unabhängigkeit und des Rechtes eines jeden Einzelnen, selbstständig seine eigene politische Linie, Strategie und Taktik ohne Einmischung von auĂen auszuarbeitenâ entwickelt werden. Die sowjetische Bestandsgarantie fĂźr die Mitgliedsstaaten war damit in Frage gestellt. Erich Honecker wurde am Abend des 7. Juli 1989 mit schweren Gallenkoliken in das rumänische Regierungskrankenhaus eingeliefert und musste dann sofort nach Berlin ausgeflogen werden.cite-ref-55[55] Im Regierungskrankenhaus Berlin-Buch entfernte man ihm am 18. August 1989 die Gallenblase und einen Abschnitt des Dickdarms. Während der Operation wurde ein Nierentumor entdeckt, doch die Ărzte wagten es nicht, Honecker darĂźber zu unterrichten.
Erst im September 1989 tauchte Honecker abgemagert und vergreist wieder im PolitbĂźro auf. Währenddessen leitete GĂźnter Mittag die wĂśchentlichen Sitzungen des PolitbĂźros.cite-ref-56[56] Lediglich im August 1989 nahm Honecker einige Termine wahr. So zitierte er am 14. August 1989 bei der Ăbergabe der ersten Funktionsmuster von 32-Bit-Prozessoren durch das Kombinat Mikroelektronik Erfurt den Slogan: âDen Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.â
Aber in den Städten der DDR wuchsen Zahl und GrĂśĂe der Demonstrationen, und auch die Zahl der DDR-FlĂźchtlinge Ăźber die bundesdeutschen Botschaften in Prag und Budapest und Ăźber die Grenzen der Ostblockstaaten nahm stetig zu; monatlich waren es mehrere Zehntausend. Die ungarische Regierung Ăśffnete am 19. August 1989 zunächst an einer Stelle und am 11. September 1989 Ăźberall die Grenze zu Ăsterreich, die von Zehntausenden von DDR-BĂźrgern zur Flucht in die Bundesrepublik genutzt wurde. Die ÄSSR erklärte den Zustrom der DDR-FlĂźchtlinge fĂźr inakzeptabel. Am 3. Oktober 1989 schloss die DDR faktisch ihre Grenzen zu den Ăśstlichen Nachbarn, indem sie den visafreien Reiseverkehr in die ÄSSR aussetzte; ab dem nächsten Tag wurde diese MaĂnahme auch auf den Transitverkehr nach Bulgarien und Rumänien ausgedehnt. Nun war die DDR nicht nur wie bisher durch den Eisernen Vorhang nach Westen abgeriegelt, sondern auch noch gegenĂźber den meisten Staaten des Ostblocks. Proteste von DDR-BĂźrgern bis hin zu Streikandrohungen aus den grenznahen Gebieten zur ÄSSR waren die Folge.
Am 6. und 7. Oktober 1989 fanden die Staatsfeierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR in Anwesenheit von Michail Gorbatschow statt, der mit âGorbi, Gorbi, hilf unsâ-Rufen begrĂźĂt wurde.cite-ref-57[57]
Am Ende einer Krisensitzung am 10. und 11. Oktober 1989 forderte das SED-Politbßro Honecker auf, bis Ende der Woche einen Lagebericht abzugeben, der geplante Staatsbesuch in Dänemark wurde abgesagt und eine Erklärung verÜffentlicht, die Egon Krenz gegen den Widerstand Honeckers durchgesetzt hatte. Ebenfalls ßberwiegend auf Initiative von Krenz folgten in den nächsten Tagen Besprechungen und Sondierungen zu einem Rßcktritt Honeckers. Krenz sicherte sich die Unterstßtzung von Armee und Staatssicherheit und arrangierte ein Treffen zwischen Michail Gorbatschow und Politbßromitglied Harry Tisch, der den Kremlchef am Rande eines Moskaubesuchs einen Tag vor der Sitzung ßber die geplante Absetzung Honeckers informierte. Gorbatschow wßnschte viel Glßck, das Zeichen, auf das Krenz und die anderen gewartet hatten. Auch SED-Chefideologe Kurt Hager flog am 12. Oktober 1989 nach Moskau und besprach mit Gorbatschow die Modalitäten der Honecker-AblÜsung. Hans Modrow dagegen wich einer Anwerbung aus.
Die fĂźr Ende November 1989 geplante 9. Tagung des ZK nach dem XI. Parteitag wurde auf Mitte Oktober vorgezogen, dringendster Tagesordnungspunkt: die Zusammensetzung des PolitbĂźros. Das PolitbĂźro sollte dazu am 17. Oktober jene Vorschläge ausarbeiten, die nachher bei der Tagung des ZK formell zu beschlieĂen waren. In dieser Situation versuchten Krenz und Erich Mielke am Abend des 16. Oktober per Telefon, weitere PolitbĂźromitglieder fĂźr die Absetzung Honeckers zu gewinnen.
Zu Beginn der Sitzung des PolitbĂźros am Dienstag, dem 17. Oktober 1989 fragte Honecker routinemäĂig: âGibt es noch Vorschläge zur Tagesordnung?â Willi Stoph meldete sich und schlug als ersten Punkt der Tagesordnung vor: âEntbindung des Genossen Honecker von seiner Funktion als Generalsekretär und Wahl von Egon Krenz zum Generalsekretärâ. Honecker schaute zuerst regungslos, fasste sich aber rasch wieder: âGut, dann erĂśffne ich die Aussprache.â Nacheinander äuĂerten sich alle Anwesenden, doch keiner machte sich fĂźr Honecker stark. GĂźnter Schabowski erweiterte sogar den Antrag und forderte die Absetzung Honeckers auch als Staatsratsvorsitzender und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates. Auch GĂźnter Mittag rĂźckte von ihm ab. Alfred Neumann wiederum forderte die AblĂśsung von GĂźnter Mittag und Joachim Herrmann. Angeblich soll Erich Mielke schlieĂlich Honecker fĂźr fast alle aktuellen Missstände in der DDR verantwortlich gemachtcite-ref-58[58] und Honecker schreiend gedroht haben, kompromittierende Informationen, die er besitze, herauszugeben, falls Honecker nicht zurĂźcktrete.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60] Nach drei Stunden fiel der einstimmige Beschluss des PolitbĂźros. Honecker votierte, wie es Brauch war, fĂźr seine eigene Absetzung. Dem ZK der SED wurde vorgeschlagen, bei seiner Tagung am nächsten Tag Honecker, Mittag und Herrmann von ihren Funktionen zu entbinden.
Bei der 9. Tagung des ZK nach dem XI. Parteitag am 18. Oktober 1989 waren 206 Mitglieder und Kandidaten anwesend. Lediglich 16 fehlten, darunter Margot Honecker. Das ZK folgte, wie es Ăźblich war, auch diesmal der Empfehlung des PolitbĂźros. Die einzige Gegenstimme kam von der 81-jährigen Hanna Wolf, der frĂźheren Direktorin der Parteihochschule âKarl Marxâ. Ăffentlich hieĂ es nach dem Beschluss des ZK: âDas ZK hat der Bitte Erich Honeckers entsprochen, ihn aus gesundheitlichen GrĂźnden von der Funktion des Generalsekretärs, vom Amt des Staatsratsvorsitzenden und von der Funktion des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zu entbinden.â Egon Krenz wurde per Akklamation einstimmig zum neuen Generalsekretär der SED gewählt. Am 20. Oktober 1989 musste auch Margot Honecker von ihren Ămtern zurĂźcktreten.
Privatleben
Honecker war dreimal verheiratet. Nachdem Gertrud Margarete Charlotte Schanuel, geb. Drost (* 30. April 1903 in Berlin-Wedding) im Juni 1947 an den Folgen eines Hirntumors verstorben war,cite-ref-61[61] kam er seiner FDJ-Stellvertreterin Edith Baumann bei einer Moskau-Reise im Sommer 1947 näher.cite-ref-1-62-0[62] Sie heirateten im Dezember 1949; die gemeinsame Tochter Erika wurde 1950 geboren.cite-ref-63[63] Diese heiratete später den deutlich älteren Diplomaten Karl Wildau, der die DDR als Botschafter in mehreren Ländern vertrat.cite-ref-64[64]
Im Dezember 1949 hatte Honecker in Moskau Margot Feist, die Leiterin der Pionierorganisation Ernst Thälmann, anlässlich der Feier zum 70. Geburtstag Josef Stalins näher kennengelernt und begann mit ihr eine Affäre. Nachdem sie im Dezember 1952 eine uneheliche Tochter, Sonja (1952â2022), von Honecker bekommen hatte, erfolgte 1953 unter Druck Ulbrichts die Scheidung Honeckers von Edith Baumann. Baumann, die mehr an Honecker hing als er an ihr, hatte zuvor Ulbricht in einem Brief ersucht, das Eindringen von Margot Feist in die Ehe mit Honecker zu unterbinden.cite-ref-1-62-1[62] Honecker ging erst Jahre später seine dritte Ehe mit Margot Feist ein.
Sonja Honecker heiratete den Chilenen Leonardo YĂĄĂąez Betancourt. Das Paar bekam einen Sohn, den 1974 geborenen Roberto YĂĄĂąez Betancourt, sowie eine Tochter, die 1988 geborene Vivian.cite-ref-65[65] Eine weitere Enkelin, Mariana, starb 1988 im Alter von zwei Jahren in Berlin, was Honecker laut Sabrow schwer traf.cite-ref-66[66] 1993 wurde die Ehe geschieden. Sein Enkel Roberto schildert Honecker als fĂźrsorglichen GroĂvater, der die Wochenenden regelmäĂig mit seinem Enkel verbrachte und viel mit ihm unternahm.cite-ref-67[67] Margot Honecker starb 22 Jahre nach ihrem Mann im Exil in Santiago de Chile; ihre Enkel leben weiterhin in dem sĂźdamerikanischen Land.cite-ref-vale-68-0[68]
Honeckers Hobby war die Jagd (vgl. Jagd in der DDR). Er war passionierter Jäger geworden, nachdem Klement Gottwald ihm noch als FDJ-Chef ein Jagdgewehr geschenkt hatte.cite-ref-69[69] Bald nach seinem Amtsantritt im PolitbĂźro richtete Honecker die Inspektion Staatsjagd ein, eine Arbeitsgruppe, die zentral Bauvorhaben und Einweisungen der Jagdgäste in den Staatsjagd- und Diplomatenjagdgebieten vornahm. Das Jagdhaus Hubertusstock in der Schorfheide wurde Schauplatz von Besuchen westlicher Politiker und Manager. Seine eigene Jagdresidenz wurde das Jagdhaus Wildfang, in dem er mehrere Male pro Woche war. Honeckers Jagdpassion stand in Aufwand und AusĂźbung der Jagd in der systemĂźbergreifenden Tradition â in der Schorfheide insbesondere in der von Wilhelm II. und Hermann GĂśring; er ging zuletzt am 8. November 1989 zur Jagd.cite-ref-70[70]
Aus meinem Leben
die-memoiren Unter dem Titel Aus meinem Leben erschienen 1980 Honeckers Memoiren, ein bis dahin in der DDR beispielloser Vorgang. Denn bei einem Vertreter der kommunistischen Idee in politischer FĂźhrungsfunktion hatte das PersĂśnliche Ăźblicherweise gegenĂźber seinen Aufgaben und der Rolle der Partei zurĂźckzutreten.cite-ref-71[71] FĂźr eine solche Publikation mochte aus Sicht der SED-FĂźhrung sprechen, âdass alle Mittel der Diskurskontrolle des SED-Staats nicht gereicht hatten, um die umlaufenden Versionen und verstreut dokumentierten Zeitzeugenerinnerungen in eine kohärente Lebenserzählung Erich Honeckers zu integrieren und die sich zwischen ihnen auftuenden WidersprĂźche glaubwĂźrdig aufzulĂśsenâ.cite-ref-72[72]
Den AnstoĂ fĂźr das Projekt gab der britische Printmedien-Unternehmer Robert Maxwell, der fĂźr eine Publikationsreihe Leaders of the World zuvor bereits autobiographisch angelegte Porträts von Leonid Breschnew und Morarji Desai herausgebracht hatte und Jimmy Carter und Helmut Schmidt als weitere Autoren ankĂźndigte. Breschnew als Vorreiter machte den ansonsten kaum akzeptablen westlichen Verlag fĂźr den SED-Parteiapparat salonfähig, zumal die Medienpolitik in der Ăra Honecker vermehrt auf die internationale Ăffentlichkeit zielte und sich damit zugleich ihrer eigenen GlaubwĂźrdigkeit versicherte âdurch Bezugnahme auf den westlichen Gegner, dessen Denken sie unablässig als irrefĂźhrend bekämpfteâ.cite-ref-73[73]
Mit der Ausarbeitung der einzelnen Buchkapitel war das Institut fĂźr Marxismus-Leninismus (IML) beauftragt, wobei jeweils fertige Teile Honecker vorzulegen waren, der nur die Kapitel zur eigenen Jugendgeschichte bis zum Kriegsende selbst verfasste. So trugen letztlich nur die ersten neun von vierunddreiĂig Kapiteln des Werkes ânach Erzählhaltung und Schreibstil den Charakter persĂśnlicher Erinnerungen, während sich die Ăźbrigen Abschnitte kaum verhĂźllt als eben die thematischen Rechenschaftsberichte des Parteiapparats zu unterschiedlichen Politikfeldern präsentierten, die sie ja tatsächlich auch warenâ.cite-ref-74[74]
Nach der Entmachtung
Strafverfolgung und Flucht nach Moskau
Die Volkskammer der DDR setzte Mitte November 1989 einen Ausschuss zur Untersuchung von Korruption und Amtsmissbrauch ein, dessen Vorsitzender am 1. Dezember 1989 Bericht erstattete. Er warf den bisherigen SED-Machthabern umfassenden Missbrauch Ăśffentlicher Ămter zu privaten Zwecken vor. Zudem habe Honecker seit 1978 jährliche Zuwendungen von rund 20.000 Mark durch die Bauakademie der DDR erhalten. Die Staatsanwaltschaft der DDR leitete daraufhin strafrechtliche Ermittlungen gegen 30 ehemalige DDR-Spitzenfunktionäre ein, unter ihnen zehn Mitglieder des PolitbĂźros. Die meisten davon kamen in Untersuchungshaft, so am 3. Dezember 1989 auch Honeckers Wandlitzer Nachbarn GĂźnter Mittag und Harry Tisch wegen persĂśnlicher Bereicherung und Vergeudung von VolksvermĂśgen. Am selben Tag wurde Honecker vom ZK aus der SED ausgeschlossen. Er schloss sich daraufhin der 1990 neu gegrĂźndeten âKommunistischen Partei Deutschlandsâ an, deren Mitglied er von 1992 bis zu seinem Tod war.
Am 30. November 1989 wurde dem Ehepaar Honecker die Wohnung in Wandlitz gekĂźndigt und am 7. Dezember 1989 durchsucht. Wegen der aufgeheizten Stimmung lehnten die Honeckers ein Wohnungsangebot am Bersarinplatz ab, beschwerten sich aber mehrfach, man habe sie obdachlos gemacht.cite-ref-75[75]
Am 5. Dezember 1989 wurde auch gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Honecker sei âverdächtig, seine Funktion als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR und seine angemaĂte politische und Ăśkonomische Macht als Generalsekretär des ZK der SED missbrauchtâ und âseine VerfĂźgungsbefugnisse als Generalsekretär des ZK der SED zum VermĂśgensvorteil fĂźr sich und andere missbraucht zu habenâ. FederfĂźhrend war bis Januar 1990 das Amt fĂźr Nationale Sicherheit (AfNS) der DDR, also der Nachfolger der Stasi, das hierzu einen âMaĂnahmeplan im Ermittlungsverfahren gegen Erich Honeckerâ erarbeitet hatte, später betrieb die Abteilung fĂźr Wirtschaftsstrafsachen beim Generalstaatsanwalt der DDR das Verfahren.
Am 6. Januar 1990 erfuhr Honecker nach einer erneuten Untersuchung durch eine Ărztekommission aus den Abendnachrichten der Aktuellen Kamera des DDR-Fernsehens, dass er Nierenkrebs hatte. Am 10. Januar 1990 entfernte der Urologe Peter Althaus einen pflaumengroĂen Nierentumor. Am Abend des 28. Januar 1990 wurde Honecker in seinem Krankenzimmer der CharitĂŠ festgenommen, am nächsten Tag in das Haftkrankenhaus des Gefängnisses Berlin-Rummelsburg eingeliefert und nach einem Tag wegen Haftunfähigkeit entlassen.cite-ref-76[76] Seit seiner Entmachtung erhielt er UnterstĂźtzung von Jassir Arafat; spätestens ab der Einlieferung ins Krankenhaus Anfang 1990 unterstĂźtzte die PLO ihn mit Geldspenden.cite-ref-77[77]
Rechtsanwalt Wolfgang Vogel wandte sich im Auftrag Honeckers an die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und bat um Hilfe. Pastor Uwe Holmer, Leiter der Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal bei Bernau, bot daraufhin dem Ehepaar Unterkunft in seinem Pfarrhaus an. Althaus fuhr es noch am Abend des 30. Januar 1990 dorthin. Schon am selben Tag kam es zu Kritik und später zu Demonstrationen gegen die kirchliche Hilfe fĂźr das Ehepaar Honecker, da dieses Christen, die sich nicht dem SED-Regime angepasst hätten, benachteiligt hätte. Das Ehepaar wohnte dennoch â abgesehen von einer Unterbringung in einem Ferienhaus in Lindow, die im März 1990 schon nach einem Tag wegen politischer Proteste abgebrochen werden musste â bis zum 3. April 1990 weiter bei Holmers.cite-ref-78[78] Dann siedelte das Ehepaar Honecker in das sowjetische Militärhospital bei Beelitz Ăźber. Bei erneuten Untersuchungen auf Haftfähigkeit stellten dort die Ărzte bei Honecker die Verdachtsdiagnose eines bĂśsartigen Lebertumors. Am 2. Oktober 1990, dem Vorabend der Deutschen Wiedervereinigung, wurden die wirtschaftsstrafrechtlichen Ermittlungsakten im Fall Erich Honecker von der Generalstaatsanwaltschaft der DDR an die der Bundesrepublik Ăźbergeben. Am 30. November 1990 erlieĂ das Amtsgericht Tiergarten einen weiteren Haftbefehl gegen Honecker wegen des Verdachts, dass er den SchieĂbefehl an der innerdeutschen Grenze 1961 verfĂźgt und 1974 bekräftigt habe. Der Haftbefehl war aber nicht vollstreckbar, da Honecker sich in Beelitz unter dem Schutz sowjetischer Stellen befand. Am 13. März 1991 wurde das Ehepaar nach vorheriger Information des Bundeskanzlers Kohl durch den sowjetischen Staatspräsidenten Gorbatschow mit einem sowjetischen Militärflugzeug von Beelitz nach Moskau ausgeflogen.
Auslieferung nach Deutschland
Das Kanzleramt war durch die sowjetische Diplomatie Ăźber die bevorstehende Ausreise der Honeckers nach Moskau informiert worden. Die Bundesregierung beschränkte sich aber Ăśffentlich auf den Protest, es liege bereits ein Haftbefehl vor, daher verstoĂe die Sowjetunion gegen die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland und damit gegen VĂślkerrecht. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Zwei-plus-Vier-Vertrag, der Deutschland die volle Souveränität zuerkennen sollte, vom Obersten Sowjet noch nicht ratifiziert. Erst am 15. März 1991 trat der Vertrag mit der Hinterlegung der sowjetischen Ratifizierungsurkunde beim deutschen AuĂenminister offiziell in Kraft. Von diesem Augenblick an wuchs der deutsche Druck auf Moskau, Honecker zu Ăźberstellen.cite-ref-79[79]
Zwischen Michail Gorbatschow und Honecker bestand ohnehin ein seit Jahren stetig schlechter werdendes Verhältnis, die UdSSR befand sich in der AuflĂśsung. Den Putschversuch in der Sowjetunion 1991 Ăźberstand Gorbatschow nur geschwächt. Der neue starke Mann, Boris Jelzin, Präsident der sowjetischen Teilrepublik Russland, verbot die KPdSU, deren Generalsekretär Gorbatschow war. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurĂźck. Die russische Regierung unter Jelzin forderte Honecker im Dezember 1991 auf, das Land zu verlassen, da andernfalls die Abschiebung erfolge. Am 11. Dezember 1991 flĂźchteten die Honeckers daher in die chilenische Botschaft in Moskau. Nach Erinnerung Margot Honeckers hatten zwar auch Nordkorea und Syrien Asyl angeboten, von Chile erhoffte man sich aber besonderen Schutz: Nach dem Militärputsch von 1973 unter Augusto Pinochet hatte die DDR unter Honecker vielen Chilenen, auch dem Botschafter Clodomiro Almeyda, Exil in der DDR gewährt, und Honeckers Tochter Sonja war mit einem Chilenen verheiratet. In Anspielung auf die DDR-FlĂźchtlinge in den bundesdeutschen Botschaften in Prag und Budapest wurde das Ehepaar Honecker ironisch âletzte BotschaftsflĂźchtlinge der DDRâ genannt. Chile allerdings wurde durch eine links-bĂźrgerliche Koalition regiert, und die deutsche Bundesregierung äuĂerte, wenn Russland und Chile ihren Anspruch einlĂśsen wollten, Rechtsstaaten zu sein, mĂźsste Honecker, da mit Haftbefehl in Deutschland gesucht, in die Bundesrepublik Ăźberstellt werden. Am 22. Juli begrĂźndete der deutsche Botschafter Klaus Blech im russischen AuĂenministerium: âNach Auffassung der deutschen Regierung verstĂśĂt die widerrechtliche Verbringung von Herrn Honecker gegen den Vertrag Ăźber die Bedingungen des befristeten Aufenthalts und die Modalitäten des planmäĂigen Abzugs der sowjetischen Truppen aus dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und gegen allgemeines VĂślkerrecht, weil sie dazu diente, eine wegen Anstiftung zur mehrfachen vorsätzlichen TĂśtung durch Haftbefehl gesuchte Person der Strafverfolgung zu entziehen.âcite-ref-80[80]
Allerdings war der bei Honecker bereits in Beelitz erhobene Verdacht auf Leberkrebs im Februar 1992 in Moskau durch eine Ultraschall-Untersuchung mit dem Befund âherdfĂśrmiger Befall der Leber â Metastaseâ bestärkt worden. Drei Wochen später aber soll die grundsätzlich zuverlässigere Untersuchung durch ein Computertomogramm ergeben haben: âWerte fĂźr einen herdfĂśrmigen Befall der Leber wurden nicht festgestelltâ. Nun wurde Ăźber Honecker verbreitet, er sei ein Simulant. Drei Tage später verkĂźndete der russische Justizminister Fjodorow im deutschen Fernsehen, Honecker werde nach Deutschland Ăźberstellt, sobald er die Botschaft verlassen habe. Am 7. März 1992 hieĂ es, die chilenische Regierung korrigiere ihre Haltung im Fall Honecker, Botschafter Almeyda sei zur Berichterstattung nach Santiago beordert, man sei verärgert Ăźber seinen Versuch, mit offenbar manipulierten Berichten Ăźber den todkranken Honecker dessen Einreise nach Chile zu erreichen. Almeyda wurde von seinem Posten abberufen. Zwar protestierte am 18. März 1992 eine Gruppe von Ărzten aus dem russischen Parlament und machte geltend, es sei die März-Diagnose, die manipuliert worden sei. Aber fĂźr die Ăffentlichkeit schien Honeckers altersgerecht guter Allgemeinzustand gegen eine Krebserkrankung zu sprechen. Im Juni 1992 sicherte der chilenische Präsident Patricio Aylwin schlieĂlich Bundeskanzler Helmut Kohl zu, Honecker werde die Botschaft in Moskau verlassen. Die Russen ergänzten, sie sähen âkeinen Grundâ, von ihrer Entscheidung von Dezember 1991 abzurĂźcken, âwonach Honecker nach Deutschland zurĂźckzukehren hatâ. Am 29. Juli 1992 wurde Erich Honecker nach Berlin ausgeflogen, wo er verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit gebracht wurde. Margot Honecker dagegen reiste per Direktflug der Aeroflot von Moskau nach Santiago de Chile, wo sie zunächst bei ihrer Tochter Sonja unterkam und bis zu ihrem Tod am 6. Mai 2016 lebte.
Strafverfolgung
Am 29. Juli 1992 wurde Honecker im Krankenhaus der Berliner Vollzugsanstalten in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft genommen.
Die Schwurgerichtsanklage vom 12. Mai 1992 warf ihm vor, als Vorsitzender des Staatsrats und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR gemeinsam mit mehreren Mitangeklagten, unter anderem Erich Mielke, Willi Stoph, Heinz KeĂler, Fritz Streletz und Hans Albrecht, in der Zeit von 1961 bis 1989 am Totschlag von insgesamt 68 Menschen beteiligt gewesen zu sein, indem er insbesondere als Mitglied des NVR angeordnet habe, die Grenzanlagen um West-Berlin und die Sperranlagen zur Bundesrepublik auszubauen, um ein Passieren unmĂśglich zu machen. Insbesondere zwischen 1962 und 1980 habe er mehrfach MaĂnahmen und Festlegungen zum weiteren pioniertechnischen Ausbau der Grenze durch Errichtung von Streckmetallzäunen zur Anbringung der Selbstschussanlagen und der Schaffung von Sicht- und Schussfeld entlang der Grenzsicherungsanlagen getroffen, um GrenzdurchbrĂźche zu verhindern. AuĂerdem habe er im Mai 1974 in einer Sitzung des NVR dargelegt, der pioniermäĂige Ausbau der Staatsgrenze mĂźsse weiter fortgesetzt werden, Ăźberall mĂźsse ein einwandfreies Schussfeld gewährleistet werden und nach wie vor mĂźsse bei Grenzdurchbruchsversuchen von der Schusswaffe rĂźcksichtslos Gebrauch gemacht werden. âDie Genossen, die die Schusswaffe erfolgreich angewandt habenâ, seien âzu belobigenâ.
Diese Anklage wurde durch Beschluss des Landgerichts Berlin vom 19. Oktober 1992 unter ErÜffnung des Hauptverfahrens zugelassen. Am gleichen Tag wurde das Verfahren hinsichtlich 56 der angeklagten Fälle abgetrennt, deren Verhandlung zurßckgestellt wurde. Die verbliebenen 12 Fälle waren Gegenstand der am 12. November 1992 begonnenen Hauptverhandlung. Ebenfalls am 19. Oktober 1992 erlieà die Strafkammer einen Haftbefehl hinsichtlich der verbliebenen zwÜlf Fälle.
Eine zweite Anklageschrift vom 12. November 1992 legte Honecker zur Last, in der Zeit von 1972 bis Oktober 1989 Vertrauensmissbrauch in Tateinheit mit Untreue zum Nachteil sozialistischen Eigentums begangen zu haben. Es handelte sich hierbei um Vorgänge im Zusammenhang mit der Versorgung und Betreuung der Waldsiedlung Wandlitz. In diesem Zusammenhang erging am 14. Mai 1992 ein weiterer Haftbefehl.
Der Prozess hatte nach Ansicht vieler Juristen einen ungewissen Ausgang, da umstritten war, nach welchen Gesetzen der Staatschef der untergegangenen DDR eigentlich verurteilt werden konnte.
Inzwischen war Honecker einer im Januar 1990 in der DDR gegrĂźndeten Kommunistischen Partei Deutschlands beigetreten.cite-ref-81[81] In seiner am 3. Dezember 1992 vor Gericht vorgetragenen Erklärungcite-ref-82[82] Ăźbernahm Honecker zwar die politische Verantwortung fĂźr die Toten an Mauer und Stacheldraht, doch sei er âohne juristische oder moralische Schuldâ. Er rechtfertigte den Bau der Mauer damit, dass aufgrund des sich zuspitzenden Kalten Krieges die SED-FĂźhrung 1961 zu dem Schluss gekommen sei, dass anders ein âdritter Weltkrieg mit Millionen Totenâ nicht zu verhindern gewesen sei, betonte die Zustimmung der sozialistischen FĂźhrungen sämtlicher Ostblockstaaten zu dieser gemeinschaftlich getroffenen Entscheidung und verwies auf die Funktionen, die der DDR in seiner Amtszeit im UN-Weltsicherheitsrat trotz des SchieĂbefehls an der Mauer zugestanden worden seien. Im Weiteren fĂźhrte er an, dass der Prozess gegen ihn aus rein politischen Motiven gefĂźhrt werde, und verglich die 49 Mauertoten, deretwegen er angeklagt war, etwa mit der Anzahl der Opfer im von den USA gefĂźhrten Vietnamkrieg oder der Selbstmordrate in westlichen Ländern. Die DDR habe bewiesen, âdass Sozialismus mĂśglich und besser sein kann als Kapitalismusâ. Ăffentliche Kritik an Verfolgungen durch die Stasi tat er damit ab, dass auch der âSensationsjournalismusâ in westlichen Ländern mit Denunziation arbeite und die gleichen Konsequenzen habe.
Honecker war zu dieser Zeit bereits schwer krank. Eine erneute Computertomographie am 4. August 1992 bestätigte die Moskauer Ultraschall-Untersuchung: Im rechten Leberlappen befand sich ein âfĂźnf Zentimeter groĂer raumfordernder Prozessâ, vermutlich eine Spätmetastase des Nierenkrebses, der Honecker im Januar 1990 in der CharitĂŠ entfernt worden war. Daraufhin stellten Honeckers Anwälte Nicolas Becker, Friedrich Wolff und Wolfgang Ziegler den Antrag, das Verfahren, soweit es sich gegen Honecker richte, abzutrennen, einzustellen und den Haftbefehl aufzuheben. Das Verfahren sei eine Nagelprobe fĂźr den Rechtsstaat. Ihr Mandant leide an einer unheilbaren Krankheit, die entweder durch Ausschaltung der Leberfunktion direkt oder durch Metastasierung in anderen Bereichen zum Tode fĂźhre. Seine Lebenserwartung sei geringer als die auf mindestens zwei Jahre geschätzte Prozessdauer. Es sei zu fragen, ob es human sei, gegen einen Sterbenden zu verhandeln.
Den gestellten Antrag lehnte die Strafkammer mit Beschluss vom 21. Dezember 1992 ab. Das Landgericht fßhrte in seiner Begrßndung aus, dass kein Verfahrenshindernis bestehe. Zwar habe sich die Einschätzung der voraussichtlich eintretenden Verhandlungsunfähigkeit aufgrund der aktualisierten schriftlichen Gutachten zeitlich verdichtet. Die Prognose des Eintritts der Verhandlungsunfähigkeit sei jedoch im Hinblick auf die Schwere und Bedeutung des Tatvorwurfs und des sich daraus ergebenden Gewichts der verfassungsrechtlich gebotenen Pflicht zur Strafverfolgung noch immer zu ungewiss, als dass eine sofortige Einstellung des Verfahrens zwingend geboten erscheine.
Die hiergegen eingelegte Beschwerde verwarf das Kammergericht durch Beschluss vom 28. Dezember 1992.cite-ref-83[83] Das Kammergericht kam jedoch zu dem Ergebnis, aufgrund der Stellungnahmen und Gutachten der medizinischen Sachverständigen sei davon auszugehen, dass infolge eines bÜsartigen Tumors im rechten Leberlappen Honeckers eine Verhandlungsfähigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange bestehen werde und Honecker mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Abschluss des Verfahrens nicht ßberleben werde. Das Kammergericht sah sich gleichwohl gehindert, das Verfahren selbst einzustellen, weil dies gemäà § 260 Abs. 3 StPO nach Beginn der Hauptverhandlung nur noch vom Landgericht durch Urteil ausgesprochen werden kÜnne. Dementsprechend kÜnne es auch den bestehenden Haftbefehl nicht aufheben, bevor das Landgericht ßber das Vorliegen eines Verfahrenshindernisses entschieden habe.
Hiergegen erhob Honecker Verfassungsbeschwerde vor dem Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin. Honecker fßhrte aus, die Entscheidungen verletzten sein Grundrecht auf Menschenwßrde. Die Menschenwßrde gelte als tragendes Prinzip der Verfassung auch gegenßber dem staatlichen Strafvollzug und der Strafjustiz uneingeschränkt. Die Fortfßhrung eines Strafverfahrens und einer Hauptverhandlung gegen einen Angeklagten, von dem mit Sicherheit zu erwarten sei, dass er vor Abschluss der Hauptverhandlung und mithin vor einer Entscheidung ßber seine Schuld oder Unschuld sterben werde, verletze dessen Menschenwßrde. Die Menschenwßrde umfasse insbesondere das Recht eines Menschen, in Wßrde sterben zu dßrfen.
Mit Beschluss vom 12. Januar 1993cite-ref-84[84] entsprach der Verfassungsgerichtshof der Verfassungsbeschwerde Honeckers. Aufgrund der Feststellungen des Kammergerichts, wonach Honecker den Abschluss des Verfahrens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben werde, sei davon auszugehen, dass das Strafverfahren seinen gesetzlichen Zweck auf vollständige Aufklärung der Honecker zur Last gelegten Taten und gegebenenfalls Verurteilung und Bestrafung nicht mehr erreichen kĂśnne. Das Strafverfahren werde damit zum Selbstzweck, wofĂźr es keinen rechtfertigenden Grund gäbe. Die Aufrechterhaltung des Haftbefehls verletze den Anspruch Honeckers auf Achtung seiner MenschenwĂźrde. Der Mensch werde zum bloĂen Objekt staatlicher MaĂnahmen insbesondere dann, wenn sein Tod derart nahe sei, dass ein Strafverfahren seinen Sinn verloren habe.
Noch am selben Tag stellte das Landgericht Berlin das Verfahren nach § 206a StPO ein und hob den Haftbefehl auf. Den hiergegen von der Staatsanwaltschaft und den Nebenklägern erhobenen Beschwerden half das Landgericht nicht ab. Der Antrag auf Erlass eines neuen Haftbefehls wurde mit Beschluss vom 13. Januar 1993 abgelehnt.cite-ref-85[85]
Am 13. Januar 1993 lehnte das Landgericht Berlin in Bezug auf die Anklageschrift vom 12. November 1992 die ErĂśffnung des Hauptverfahrens ab und hob auch den zweiten Haftbefehl auf.cite-ref-86[86] Nach insgesamt 169 Tagen wurde Honecker aus der Untersuchungshaft entlassen, was Proteste von Opfern des DDR-Regimes nach sich zog.
Ausreise nach Chile
Honecker flog unmittelbar darauf nach Santiago de Chile zu seiner Frau Margot und der gemeinsamen Tochter Sonja, die dort mit ihrem chilenischen Ehemann Leonardo YĂĄĂąez und ihren Kindern wohnte. Seine Mitangeklagten wurden dagegen am 16. September 1993 zu Freiheitsstrafen zwischen vier und siebeneinhalb Jahren verurteilt. Am 13. April 1993 wurde ein letzter zur Verfahrensbeschleunigung abgetrennter Prozess gegen Honecker in Abwesenheit des Angeklagten vom Berliner Landgericht ebenfalls eingestellt. Am 17. April 1993, dem 66. Geburtstag seiner Frau Margot, rechnete Honecker in einer Rede mit dem Westen ab und bedauerte seine Genossen, die noch im Gefängnis in Moabit saĂen und âdem Klassenfeind trotztenâ. Er schloss seine Rede mit den Worten: âSozialismus ist das Gegenteil von dem, was wir jetzt in Deutschland haben. Sodass ich sagen mĂśchte, dass unsere schĂśnen Erinnerungen an die DDR viel aussagen von dem Entwurf einer neuen, gerechten Gesellschaft. Und dieser Sache wollen wir fĂźr immer treu bleiben.âcite-ref-87[87]
Tod und Beisetzung
In den letzten Monaten musste Honecker kĂźnstlich ernährt werden. Am 29. Mai 1994 starb er im Alter von 81 Jahren in Santiago de Chile. Sein Leichnam wurde im Krematorium des Zentralfriedhofs von Santiago eingeäschert, die Urne nach der Trauerfeier von Margot Honecker wohl mit nach Hause genommen.cite-ref-88[88]cite-ref-89[89] Die Datenbank des Friedhofs nennt als Tag der Kremierung den 30. Mai 1994 und bestätigt die Mitnahme der Asche nach auĂerhalb.cite-ref-90[90] Nach Aussage des Honecker-Enkels Roberto YĂĄĂąez befindet sich die Urne im Besitz eines Freundes der Familie. Während Tochter Sonja die Asche ihrer Eltern dem Pazifik Ăźbergeben wolle, sei er selbst fĂźr eine Beisetzung in Deutschland.cite-ref-91[91]cite-ref-92[92] Der Berliner Senat lehnte 2018 den Wunsch des Enkels ab, Honecker durch eine Bestattung seiner Asche in der Gedenkstätte der Sozialisten zu ehren.cite-ref-93[93]
Rezeptionsaspekte
Lebenslauf
Martin Sabrow findet erstaunlich, wie stark Honeckers âindividuelle und generationelle Lebenserfahrung bei genauerem Hinsehen durch den unpersĂśnlichen Charakter der SED-Herrschaft hindurchschimmertâ. Er nimmt dabei speziell auf Honeckers Aufwachsen und frĂźhes Wirken im Saarland Bezug und präsentiert zwei auf je eigene Weise plausible Lesarten von Honeckers Werdegang und Lebensgeschichte.cite-ref-94[94]
Einerseits lassen sich laut Sabrow Unstimmigkeiten und Misslingensaspekte in Honeckers Vita in einem âDemaskierungsgestusâ präsentieren: Honeckers Aufwachsen in eher kleinbĂźrgerlichen Verhältnissen als nach klassisch proletarischem Muster; der bei den Nazis mittuende jĂźngere Bruder; Honeckers zwischenzeitliches Liebäugeln mit einer landwirtschaftlichen Existenz in Hinterpommern; das klägliche Scheitern der Kampagne gegen die Wiederangliederung im âSaarkampfâ; das ungeschickte und die ganze Berliner Untergrundorganisation belastende Agieren im Zusammenhang mit seiner Verhaftung Ende 1935 durch die Gestapo; der hoch riskante und letztlich perspektivlose Fluchtversuch Anfang März 1945, bei dem er wiederum Genossen im Untergrund gefährdete; das eigenbrĂśtlerische Vorgehen nach der Befreiung âunter anrĂźchigen persĂśnlichen Umständen im Lebensumfeld seines eigenen Kerkerpersonalsâ.cite-ref-95[95]
Andererseits lasse sich ebenso plausibel eine Gegenrechnung im Sinne des auf Standfestigkeit angelegten âTypus der kommunistischen Herrscherbiographieâ aufmachen: Honeckers frĂźhes, in der Familientradition angelegtes, uneigennĂźtziges Engagement fĂźr die kommunistische Bewegung; der rasche Aufstieg zum Bezirksleiter Saar im kommunistischen Jugendverband; das mit Beginn der NS-Herrschaft unverzĂźgliche Wirken im Widerstand; die nicht nachlassende Energie und Verantwortungsbereitschaft bei der nervenaufreibenden illegalen Verbandsarbeit bis zur Verhaftung nach fast drei Jahren; die auch nach langjähriger Haft in NS-Gefängnissen fortbestehende Treue zu der sein Leben bestimmenden Menschheitsidee.cite-ref-96[96]
Honeckers geistige Verankerung in der eigenen Jugendbiographie zeigte sich Sabrow zufolge auch 1989 und Ăźber seinen Sturz hinaus. Sein âlebensgeschichtlich bedingter Starrsinn gegenĂźber Veränderungen [âŚ] drĂźckte sich in einer bemerkenswerten Unempfindlichkeit gegenĂźber der historischen Niederlage des Sozialismus ausâ. Aufgrund eigener Erfahrung konnte er sich sagen, âdass die Verlierer von heute unfehlbar die Sieger von morgen seienâ. Das aufbegehrende DDR-Volk schien ihm irregefĂźhrt, zumal er die leichte Manipulierbarkeit des Volkes als geschichtlich erwiesen behandelte. Ohne klare FĂźhrung durch eine marxistische Partei gehe es nun einmal nicht.cite-ref-97[97] Der Untersuchungsarzt im Moabiter Haftkrankenhaus hielt als Selbstcharakterisierung Honeckers fest: âIch war Kommunist, bin Kommunist und werde Kommunist bleiben.âcite-ref-98[98]
Auftreten
Honecker wird wie sein Vorgänger als Staats- und Parteichef, Ulbricht, von einigen Historikern als wenig charismatisch in seinen Ăśffentlichen Auftritten und als nicht sonderlich redebegabt beschrieben, während ihm andere eine gewisse Rhetorik zugestehen.cite-ref-99[99] Vor allem seine Reden auf Parteitagen und bei diplomatischen Anlässen, die Kabarettisten und Satirikern auĂerhalb der DDR-Ăffentlichkeit Vorlagen zu Parodien boten, wurden vielfach als im Stil ungelenk und hĂślzern beschrieben.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101] In seiner Zeit als Generalsekretär wurde seine Haltung einmal als âfast unheimliche, einstudierte Unbeweglichkeitâ skizziert.cite-ref-102[102] Bei seinem Besuch 1987 im Saarland, dem Ort seiner Kindheit, sei die innere Erregung des ansonsten starr wirkenden, alten Mannes hingegen deutlich zu bemerken gewesen. Er habe, auf dem HĂśhepunkt seiner Macht befindlich, bei dieser ersten Reise in die Bundesrepublik einen âganz passablen Eindruckâ hinterlassen.cite-ref-0-103-0[103] Laut den Memoiren eines seiner von der Stasi gestellten Leibwächter verlor der abgeschirmt von der BevĂślkerung lebende Honecker zunehmend den âKontakt zur Realitätâ.cite-ref-104[104] Auch Michail Gorbatschow äuĂerte am 1. November 1989 in einem Gespräch mit Egon Krenz: âGenosse Erich Honecker habe sich offensichtlich fĂźr die Nummer 1 im Sozialismus, wenn nicht sogar in der Welt gehalten. Er habe nicht mehr real gesehen, was wirklich vorgehe.âcite-ref-105[105] Auch wahrheitsgetreue Berichte der Staatssicherheit Ăźber massive Probleme in der Wirtschaft sollen von Honecker ärgerlich zurĂźckgewiesen worden sein.cite-ref-0-103-1[103]
In Bild und Ton
Honecker wurde zweimal auf Briefmarken abgebildet: in der DDR 1972 von der Deutschen Post gemeinsam mit Leonid Breschnew anlässlich des 25. Jahrestags der Grßndung der Gesellschaft fßr Deutsch-Sowjetische Freundschaft; und 1984 von der Post Nordkoreas gemeinsam mit Kim Il-sung zu Ehren von dessen Besuch in der DDR.
Udo Lindenbergs grĂśĂter kommerzieller Erfolg, der Song Sonderzug nach Pankow, zur Melodie Chattanooga Choo Choo, richtete sich in ironischer Weise direkt an den Staatsratsvorsitzenden Honecker (âHoneyâ), thematisierte dessen mangelnde Lockerheit und erreichte in der DDR groĂe Popularität. Um einen Konzertauftritt im Palast der Republik anzubahnen, schenkte er Honecker 1987 eine Lederjacke. Im Gegenzug erhielt er von Honecker, der in seiner Jugend beim Roten Frontkämpferbund Schalmei gespielt hatte, ein solches Instrument. Bei seinem Staatsbesuch 1987 in der Bundesrepublik Deutschland schenkte ihm Lindenberg vor dem Wuppertaler Engels-Haus eine Gitarre mit der Aufschrift âGitarren statt Knarrenâ.cite-ref-106[106]
Dmitri Wrubels Graffito Mein Gott, hilf mir, diese tĂśdliche Liebe zu Ăźberleben an der Berliner Mauer (FrĂźhjahr 1990), das einen âBruderkussâ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker thematisierte, wurde weltweit bekannt.
In dem die Ereignisse des Jahres 1989 in der DDR aufgreifenden dokumentarischen Fernsehfilm Wer zu spät kommt â Das PolitbĂźro erlebt die deutsche Revolution von 1990 wird Honecker vom Schauspieler Hans Christian Blech verkĂśrpert.
Ein bekannter Parodist Honeckers ist der Kabarettist Uwe Steimle, der ihn in seinen Programmen parodiert.cite-ref-107[107]
2017 wurde Erich Honecker in zwei Filmen dargestellt. Am 3. Oktober 2017 zeigte die ARD die FilmkomÜdie Willkommen bei den Honeckers mit Martin Brambach als Honecker. Kurze Zeit später erschien der Kinofilm Vorwärts immer!, in dem Honecker vom Schauspieler JÜrg Schßttauf dargestellt wird.cite-ref-108[108] Im Film Honecker und der Pastor (2022) von Jan Josef Liefers wird Honecker von Edgar Selge dargestellt.
In der Kunst
Eine satirische Statue von Honecker befindet sich auf dem Lehrpfad der unholdigen Personen in Mecklenburg-Vorpommern.
Auszeichnungen und Ehrungen
Honecker erhielt alle wichtigen Auszeichnungen der DDR, darunter den Karl-Marx-Orden, den Ehrentitel Held der DDR mit dazugehÜriger Goldmedaille, den Vaterländischen Verdienstorden mit Ehrenspange, Banner der Arbeit, Held der Arbeit, und von der Sowjetunion als hÜchste Auszeichnung den Leninorden.
1981 wurde Honecker während seines Staatsbesuches in Japan die Ehrendoktorwßrde der Nihon-Universität Tokio verliehen.cite-ref-109[109] Während eines Staatsbesuches in Mexiko im selben Jahrcite-ref-110[110] erhielt er die Ehrenbßrgerschaft von Mexiko-Stadt.cite-ref-111[111] 1985 bekam Honecker vom IOC den Olympischen Orden in Gold.
Schriften
⢠Reden und Aufsätze. ZwĂślf Bände. Dietz, Berlin 1975â1988.
⢠Zur Jugendpolitik der SED. Zwei Bände. Neues Leben, Berlin 1985.
⢠Die Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Partei in der sozialistischen Gesellschaft. Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-88012-292-X.
⢠Aus meinem Leben. 14. Auflage. Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-00744-0.
⢠Fßr eine weltweite Koalition der Vernunft und des Realismus. Dietz, Berlin 1989, ISBN 3-320-01418-8.
⢠Durch das Volk und fĂźr das Volk wurde GroĂes vollbracht. Festansprache von Erich Honecker, Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Staatsrates der DDR. In: Neues Deutschland. 9. Oktober 1989 (Auszug).
⢠Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen. Runge, Hamburg 1992.
⢠â⌠da brauche ich nichts zu korrigierenâ. Ein Gespräch mit Paul Oestreicher in der Haftanstalt. In: epd-Dokumentation. H. 6a (1. Februar 1993), S. 1â12.
⢠PersĂśnliche Erklärung von Erich Honecker vor dem Berliner Landgericht am 3. Dezember 1992. In: Blätter fĂźr deutsche und internationale Politik. Band 38, 1993, Nr. 1, S. 118â126 (siehe auch Weblinks).
⢠Moabiter Notizen. Letztes schriftliches Zeugnis und Gesprächsprotokolle vom BRD-Besuch 1987 aus dem persÜnlichen Besitz Erich Honeckers. Edition Ost, Berlin 1994, ISBN 3-929161-14-1.
⢠Frank Schumann (Hrsg.): Letzte Aufzeichnungen. Fßr Margot. Edition Ost, Berlin 2012, ISBN 978-3-360-01837-3.
⢠mit Eva Ruppert: Liebe Eva. Erich Honeckers Gefängnisbriefe. Edition Ost, Berlin 2017, ISBN 978-3-360-01883-0.
Filme
⢠Wilma Kottuck: Skizze eines Verfalls. Auf den Spuren von Erich Honecker, Sßddeutscher Rundfunk, VHS, Stuttgart 1990.
⢠Harald LĂźders, Peter Boultwood: Fernsehinterview âErich Honecker â Das Interviewâ. VHS, Frankfurt am Main 1991.
⢠Thomas Grimm: Honeckers Flucht â mit Thomas Kunze, Das Erste, 45 Minuten, 2002.
⢠Thomas Grimm: Die Honeckers privat â MDR Fernsehen, 45 Minuten, 2003.
⢠Eric Friedler: Der Sturz â Honeckers Ende, 2012.
⢠Francis Meletzky: Vorwärts Immer!, 2017.
⢠Thomas Grimm: Die Honeckers â Die private Geschichte â als Co-Autor mit Mario Sporn â ZDF-History, 45 Minuten, 2017.
⢠Thomas Grimm: Honeckers letzte Reisecite-ref-112[112] â mit Thomas Kunze, MDR Fernsehen, 90 Minuten, 2019.
⢠Fred Breinersdorfer: Honecker und der Pastor â Die Dokumentation, 2022.cite-ref-2-113-1[113]
Literatur
⢠Reinhold Andert / Wolfgang Herzberg: Der Sturz. Erich Honecker im KreuzverhÜr. Aufbau-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-351-02060-0.
⢠Reinhold Andert: Nach dem Sturz. Gespräche mit Erich Honecker. Faber und Faber, Leipzig 2001, ISBN 3-932545-80-X.
⢠Monika Kaiser, Helmut Mßller-Enbergs: Honecker, Erich. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
⢠Thomas Kunze: Staatschef a. D. Die letzten Jahre des Erich Honecker. Ch. Links, Berlin 2001, ISBN 3-86153-247-6.
⢠Jan N. Lorenzen: Erich Honecker. Eine Biographie. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 3-499-61181-3.
⢠Norbert F. PÜtzl: Erich Honecker. Eine deutsche Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Mßnchen 2002, ISBN 3-421-05585-8.
⢠Peter Przybylski: Tatort Politbßro. Rowohlt Berlin.
⢠Band 1: Die Akte Honecker. 1991, ISBN 3-87134-001-4.
⢠Band 2: Honecker, Mittag und Schalck-Golodkowski. 1992, ISBN 3-87134-037-5.
⢠Martin Sabrow: Der fĂźhrende Repräsentant. Erich Honecker in generationsbiographischer Perspektive. In: Zeithistorische Forschungen. Band 10, 2013, S. 61â88 (online).
⢠Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, ISBN 978-3-406-69809-5.
⢠Jochen Staadt (Hrsg.): Auf hÜchster Stufe. Gespräche mit Erich Honecker. Transit, Berlin 1995, ISBN 3-88747-099-0.
⢠Ulrich VÜlklein: Honecker. Eine Biographie. Aufbau Taschenbuch, Berlin 2003, ISBN 3-7466-1921-1.
⢠Uwe Wesel: Der Honecker-Prozess. Ein Staat vor Gericht. Eichborn, Frankfurt 1994, ISBN 3-8218-0435-1.
⢠Thomas Grimm mit Ed Stuhler: Die Honeckers privat. Liebespaar und Kampfgemeinschaft. Parthas, Berlin 2005, ISBN 3-936324-11-5.
Weblinks
Commons
: Erich Honecker
â Album mit Bildern
Commons
: Erich Honecker
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
Wikiquote: Erich Honecker
â Zitate
⢠Literatur von und ßber Erich Honecker im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Erich Honecker in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Literatur zu Erich Honecker in der Saarländischen Bibliographie
⢠Siebenteilige Biographie, basierend auf dem Buch von Norbert PÜtzl, cosmopolis.ch
⢠Erich Honecker nach seinem RĂźcktritt â Chronologie; Erklärung vor der 27. GroĂen Strafkammer beim Landgericht Berlin-Moabit vom 3. Dezember 1992 auf glasnost.de
⢠Originalton Erich Honecker: âDie Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben.â
⢠Erich Honecker bei IMDb
⢠Nachlass Bundesarchiv NY 4167
⢠Martin Sabrow: Biografische Bildpolitik â Erich Honecker und das zeitlose Herrscherporträt, in: Visual-History, 20. März 2017
Anmerkungen
cite-note-11. â JĂźrgen Leinemann: ÂťWer sich von GefĂźhlen fortreiĂen läĂtâŚÂŤ. In: Der Spiegel. 13. September 1987, abgerufen am 29. Januar 2024.
cite-note-volksbund-de-22. â Gräbersuche auf volksbund.de.
cite-note-33. â Defekt hat vermutlich Brand in Honecker-Geburtshaus verursacht. 27. Juni 2024, abgerufen am 25. September 2024.
cite-note-44. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 53, 55.
cite-note-55. â Antifaschist mit Wachtmeisterin. faz.net, 31. Oktober 2016
cite-note-66. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945, C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 40 f, S. 48â50.
cite-note-77. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C. H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 48â50.
cite-note-88. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 55â57, S. 59 f.
cite-note-99. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 58, 61 f., 64.
cite-note-1010. â âIm EnthĂźllungsschrifttum der Umbruchzeit um 1989 sowie in dem gegen Honecker gefĂźhrten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren ist diese Unstimmigkeit als gezieltes ManĂśver Honeckers beurteilt worden, um seinen Parteieintritt vor dem Hintergrund der beginnenden Weltwirtschaftskrise aufzuwerten.ââ (Sabrow 2016, S. 65, mit Beleg Przybylski, Tatort PolitbĂźro, S. 39)
cite-note-1111. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 61 und 64â67.
cite-note-1212. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. C.H. Beck, MĂźnchen 2016, S. 60 u. 72â77.
cite-note-1313. â Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor. 1912â1945. Beck, MĂźnchen 2016, zu Grejewa und RĂźckkehr S. 75 f., zu ersten Funktionen S. 78 f.
cite-note-1414. â WAZ, 3. Juni 1989, ganzseitiger Beitrag von E. Honecker: "Schreibmaschinen-Klappern war drauĂen nicht zu hĂśren". Siehe auch Barbara Hoynacki: Die "rote Käthe" aus Oberhausen versteckte Erich Honecker, in: WAZ, 10. Februar 2016. Weitere AusfĂźhrungen auch bei Cillie Rentmeister, "Maria Rentmeister â 1905-1996 Widerstandskämpferin, Frauen- und Kulturpolitikerin. Vom Katholizismus zum Sozialismus, vom Rheinland in die DDR", Abschnitt Ăźber deren Mutter Katharina Rentmeister, die ârote Kätheâ, [1]
cite-note-1515. â Wichtiger als die Aufdeckung der âletzten Verästelungenâ ihrer Aktivitäten sei den Ermittlern die dauerhafte Ausschaltung der gefassten kommunistischen Kader gewesen. (Sabrow 2016, S. 305)
cite-note-1616. â Sabrow 2016, Ss. 300, 305.
cite-note-1717. â Sabrow 2016, S. 300 f.
cite-note-1818. â Chefsache: Mielkes âRoter Kofferâ â Geschichten â BStU. Abgerufen am 8. April 2020.
cite-note-1919. â Sabrow 2016, S. 318.
cite-note-2020. â Sabrow 2016, S. 322â331.
cite-note-2121. â Sabrow 2016, S. 355â357. âWenn notwendig, trugen wir sie unentschärft ein StĂźck weiterâ, heiĂt es in Honeckers Memoiren. (Zitiert nach Sabrow 2016, S. 356.
cite-note-2222. â Sabrow 2016, S. 360â363. âIm allgemeinen Durcheinander wusste niemand besser, was zu tun war, als Sträfling 523/237, der nach zahlreichen lebensgefährlichen Räumungseinsätzen Ăźber mehr Nerven- und FĂźhrungsstärke verfĂźgte als alle beamteten Bewacher zusammenâ (ebenda, S. 363).
cite-note-2323. â Sabrow 2016, S. 363 f. âUm weder in Konflikt mit der lebensgeschichtlichen Wahrheit noch mit biographiepolitischen Opportunitätserwägungen zu geraten, zergliederte Honecker seine spätere Ehefrau erzählerisch in die einzelnen Rollen, die sie in seiner politischen Biographie spielte. [âŚ] Seine Memoiren von 1980 sprechen von ihr einmal als namenlose dienstverpflichtete Aufseherin, sodann als Tochter von âOma Grundâ, die ihm während der Flucht Unterschlupf gewährt hatte, und schlieĂlich als eine âBekannteâ, die seine spätere RĂźckkehr ins Arbeitskommando organisiert habeâ (ebenda, S. 364 f.).
cite-note-2424. â Sabrow 2016, S. 372â400. âDass der oberste Aufseher Ăźber die Berliner Gefängnisse die gescheiterte Flucht eines Zuchthausinsassen erfolgreich zu vertuschen bereit und fähig war, ist nur aus der fortschreitenden AuflĂśsung der staatlichen Ordnung in der Reichshauptstadt zu erklären und beruhte auf der rechtlichen Konstruktion, Honecker gar nicht mehr als Sträfling, sondern als bereits Begnadigten zu betrachten, der nur noch zum eigenen Schutz weiter inhaftiert bliebâ (ebenda, S. 403).
cite-note-2525. â Sabrow 2016, S. 409â427.
cite-note-2626. â Hierzu mit Nachweisen Peter Przybylski: Tatort PolitbĂźro. Die Akte Honecker. Berlin 1991, S. 55â65 sowie Ulrich VĂślklein: Honecker. Eine Biografie. Berlin 2003, S. 154â178.
cite-note-2727. â Sabrow 2016, S. 428â432.
cite-note-2828. â Sabrow 2016, S. 433 und 441 f.
cite-note-2929. â Honecker schreibt in seiner Autobiografie, er habe Mitte Mai 1945 Ulbricht kennengelernt. Richard Gyptner und Hans Mahle hätten ihn zu Ulbricht in die Prinzenallee 80 (heute Einbecker StraĂe 41) gebracht. Dort befand sich das erste, provisorische BĂźro des Zentralkomitees der KPD (Erich Honecker: Aus meinem Leben, S. 114)
cite-note-3030. â Wolfgang Leonhard: Spurensuche. KĂśln 1992, ISBN 3-462-02170-2.
cite-note-3131. â Sabrow 2016, S. 445.
cite-note-3232. â Urteil des Landgerichts Prenzlau vom 1. Juni 1939, AZ 2R.25.39
cite-note-3333. â Sterberegister Berlin-WeiĂensee Nr. 1222/1947
cite-note-3434. â Sabrow 2016, S. 445 f. Als Todesursache wurde âGehirnerweichungâ angegeben (ebenda, S. 246).
cite-note-spiegel34-2012-3535. â Martin Sabrow: Der unterschätzte Diktator. In: Der Spiegel. Nr. 34, 2012, S. 46â48 (online).
cite-note-3636. â Sylvia Conradt: Deutsch-deutsche Grenze â Vor 25 Jahren: DDR-Regierung hob SchieĂbefehl auf In: deutschlandfunk.de, 3. April 2014.
cite-note-3737. â Regine Sylvester: âHier wird unsere Partei beleidigt.â. In: Die Zeit, Nr. 50/2015, S. 23.
cite-note-3838. â Heike Amos: Politik und Organisation der SED-Zentrale 1949 - 1963: Struktur und Arbeitsweise von PolitbĂźro, Sekretariat, Zentralkomitee und ZK-Apparat. LIT Verlag MĂźnster, 2003, ISBN 978-3-8258-6187-2 (google.de [abgerufen am 16. September 2024]).
cite-note-3939. â Wolfgang Benz, Michael F. Scholz: Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 22: Deutschland unter alliierter Besatzung 1945â1949. Die DDR 1949â1990. Klett-Cotta 2009, S. 448; Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie. Siedler, Berlin 2001, ISBN 3-88680-720-7, S. 415.
cite-note-4040. â Jochen Stelkens: Machtwechsel in Ost-Berlin. In: Vierteljahrshefte fĂźr Zeitgeschichte, 1997, Heft 4, S. 507
cite-note-4141. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biografie. Ueberreuther, Wien 2003, S. 149, S. 147ff.
cite-note-4242. â Olaf Klenke: Betriebliche Konflikte in der DDR 1970/71 und der Machtwechsel von Ulbricht auf Honecker. In: Jahrbuch fĂźr Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft II/2004, Seitenzahl fehlt.
cite-note-4343. â Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 5: Bundesrepublik und DDR 1949â1950. C.H. Beck, MĂźnchen 2008, S. 218.
cite-note-4444. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biografie. Ueberreuther, Wien 2003, S. 152.
cite-note-4545. â GĂźnter Schabowski: Der Absturz. Rowohlt, Berlin 1991, S. 115f.
cite-note-schusswaffe-4646. â Protokoll der 45. Sitzung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, 3. Mai 1974
cite-note-4747. â DDR-Souvenirs Deutsched D Deutsches Historisches Museum, mit 38 Gastländern und 50 Gästevertretern zu Besuch in der DDR
cite-note-4949. â Financial Times England, Leslie Colitt: President Erich Honecker â Trusted in Moscow, respected at home, 10. Dezember 1981, S. 3. (Ăbersetzt aus dem Englischen)
cite-note-5050. â zeit.de vom 19. Dezember 2008, Helmut Schmidt: Mein Treffen mit Honecker, Warum ich 1981 gern nach Schloss Hubertusstock gefahren bin Merkur online vom 19. Oktober 2009
cite-note-5151. â Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Bayrische Landeszentrale fĂźr politische Bildung, MĂźnchen 1998, S. 293 f.; Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte II. Vom âDritten Reichâ bis zur Wiedervereinigung. C.H. Beck, MĂźnchen 2014, S. 453â459.
cite-note-5252. â Christian Thonke: Hitlers langer Schatten. Der mĂźhevolle Weg zur Entschädigung der NS-Opfer. BĂśhlau-Verlag, Wien 2004, S. 49 f.
cite-note-5353. â Netzeitung vom 6. Juni 2008, Wiedergutmachung: Als die DDR ihre Juden entdeckte. Als die DDR ihre Juden entdeckte (Memento vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive)
cite-note-5454. â Die Welt vom 12. August 2009; danach Der Spiegel vom 13. August 2009
cite-note-5555. â Honeckers Erkrankung während RGW-Gipfel
cite-note-5656. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biographie. Ueberreuter, Wien 2003, S. 194.
cite-note-5757. â Stasi-Aktenauszug vom 23. Oktober 1989, âGorbi, Gorbi hilf uns!â Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie), jugendopposition.de
cite-note-5858. â Nach The East German Transition Game (Memento vom 21. September 2003 im Internet Archive) von Kurt-Henning Tvedt (Word-Dokument; 447 KB)
cite-note-5959. â Christiane Wolters: Stasi-Unterlagen: Mielkes Geschichte im Koffer. In: Spiegel Online. 31. März 2004, abgerufen am 19. Januar 2012.
cite-note-6060. â GĂźnter Schabowski: Das PolitbĂźro. Ende eines Mythos. Eine Befragung. Reinbek 1990, S. 104 ff.; GĂźnter Schabowski: Der Absturz. Berlin, 1991, S. 267 ff.
cite-note-6161. â Erich Honecker und die Frauen. In: MDR.de, 19. August 2012.
cite-note-1-6262. â ZDF-History â Geheimakte Honecker. Abgerufen am 13. Februar 2022.
cite-note-6363. â ÂŤFĂźr MargotÂť. Erich Honecker hat 1992 während seiner Untersuchungshaft eine Art Tagebuch gefĂźhrt. In: Tages-Anzeiger, 24. Februar 2012.
cite-note-6565. â Leibwächter berichtet. Erich Honecker: So hielt er es mit Frauen, Familie und Autos. In: Abendzeitung, 9. Mai 2014.
cite-note-6666. â Hans-Joachim Neubauer: Zwei Saarländer an der Spitze. In: Die Zeit, Nr. 35/2012.
cite-note-vale-6868. â Honeckers Enkel ist Surrealist und liebt Coca Cola. In: Märkische Allgemeine. 4. Oktober 2018, abgerufen am 24. November 2021.
cite-note-6969. â Erich Honecker â der Jäger. In: MDR.de, 4. Januar 2010.
cite-note-7070. â Meike Haselmann: Die Jagd in der DDR: zwischen Feudalismus und Sozialismus. 2005. zitiert nach Zusammenfassung (PDF) bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Martin Sabrow: Der unterschätzte Diktator. In: Der Spiegel 34/2012, 20. August 2012, S. 46 ff. (PDF).
cite-note-7171. â Sabrow 2016, S. 470â472. âDie erdrĂźckende Mehrheit ostdeutscher Erinnerungsautoren sah erst nach 1989 die Stunde eines Lebensberichts gekommen, der mit dem Willen zur Wahrhaftigkeit verfasst wurde, um dann im Sinne Karl Schirdewans ihre âdetaillierten Kenntnisse Ăźber das Funktionieren des Systems Ulbrichtscher Prägung in den allgemeinen AufklärungsprozeĂ einzubringenâ oder ihren eigenen Anteil am Scheitern des sozialistischen Experiments biographisch zu verarbeitenâ (ebenda, S. 475).
cite-note-7272. â Sabrow 2016, S. 476.
cite-note-7373. â Sabrow 2016, S. 476â479 (Zitat). Irritiert Ăźber die Publikation in einem englischen Wissenschaftsverlag zeigte sich allein das Neue Deutschland, das kommentierte, es âwäre natĂźrlich schon denkbar gewesen, daĂ solche Biographie beispielsweise erscheint in einem Verlag der DDR. Das wäre eigentlich, wenn man die Verlagspolitik in der DDR kennt, auch das Normale gewesen.â (Zitiert nach Sabrow 2016, S. 486)
cite-note-7474. â Sabrow 2016, S. 479 f. und 481.
cite-note-7575. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biographie. Ueberreuter, Wien 2003, S. 199.
cite-note-7676. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biographie. Ueberreuter, Wien 2003, S. 201 f.
cite-note-7777. â Thomas Kunze: Staatschef a. D. Die letzten Jahre des Erich Honecker. 2001, S. 80.
cite-note-7878. â JĂśrg Marschner: Asyl fĂźr den Feind (Memento vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.today); sz-online/Sächsische Zeitung vom 25. Januar 2010.
cite-note-7979. â Sabine Kinkartz: Kalenderblatt: 13. März 1991 Flucht nach Russland; Deutsche Welle: Kalenderblatt, vom 13. März 2008. Auch verĂśffentlicht bei einestages (Spiegel Online)
cite-note-8080. â Wir wollten ihn loswerden. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1992, S. 21 (online â 3. August 1992).
cite-note-8181. â Patrick Moreau, JĂźrgen P. Lang: Linksextremismus: Eine unterschätzte Gefahr? Bouvier, Bonn 1996, ISBN 978-3-416-02543-0, S. 302.
cite-note-8282. â PersĂśnliche Erklärung von Erich Honecker vor dem Berliner Landgericht am 3. Dezember 1992; verĂśffentlicht auf glasnost.de.
cite-note-8383. â Kammergericht, Beschl. v. 28. Dezember 1992 â 4 Ws 217, 218 und 248/92 â, NJW 1993, 947.
cite-note-8484. â Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, Beschl. v. 12. Januar 1993 â 55/92 â, NJW 1993, 515.
cite-note-8686. â Landgericht Berlin, Beschl. v. 13. Januar 1993 â 514-35/92 â, NJW 1993, 1608.
cite-note-8787. â Oktober 1989 â Mai 1994: Erich Honecker â das Ende (Memento vom 14. November 2010 im Internet Archive); mdr.de
cite-note-8888. â Ed Stuhler: Margot Honecker. Eine Biografie. Ueberreuther, Wien 2003, S. 210.
cite-note-8989. â Honeckers letzte Reise ins Exil: Der Passagier auf Platz 13A spiegel.de, 12. Januar 2018, abgerufen am 17. Januar 2018.
cite-note-9090. â Buscador de sepultados (Grabstellensuche) des Cementerio General de Recoleta, konsultiert am 16. August 2021 (spanisch).
cite-note-9191. â Erich und Margot Honecker noch nicht beigesetzt. In: Nordkurier, 8. September 2018 (Memento vom 5. April 2023 im Internet Archive)
cite-note-9292. â Honeckers werden nicht in Berliner Gedenkstätte beigesetzt. In: Nordkurier, 25. Oktober 2018 (Memento vom 24. Dezember 2022 im Internet Archive)
cite-note-9494. â Sabrow 2016, S. 488 f. Davon sei auch Honeckers ânostalgischer Besuchâ bei dem schon âin schwerer Demenz dämmerndenâ Herbert Wehner in dessen Privathaus 1987 bestimmt gewesen. Danach lieĂ Honecker verlauten, Wehner sei âvollständig rehabilitiertâ und kĂśnne âseinen Platz im PolitbĂźro wieder einnehmenâ (ebenda, S. 449).
cite-note-9595. â Sabrow 2016, S. 449â451.
cite-note-9696. â Sabrow 2016, S. 451 f.
cite-note-9797. â Sabrow 2016, S. 503 und 505. FĂźr Honecker blieb das Volk, so Sabrow, eine âunzuverlässige Masse, die der ständigen Aufklärung und der richtigen Lenkung bedurfte, um nicht immer wieder in die Irre zu gehenâ â âdas war die eigentliche Lehre seines ersten Lebens, die Honecker in die neue Zeit mitnahm und die seinen auf die KommandohĂśhen des Weltkommunismus fĂźhrenden Weg bis zum letzten Tag bestimmen sollteâ (ebenda, S. 505).
cite-note-9898. â Zitiert nach Sabrow 2016, S. 14.
cite-note-9999. â Siehe zum Beispiel Michael Behnen: Deutsche Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, TĂźbingen 1997, S. 884; Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971â1989. Ch. Links, Berlin 1998, S. 41; Martin Sabrow, in: Patrick Bahners und Alexander Cammann (Hrsg.): Bundesrepublik und DDR. Die Debatte um Hans-Ulrich Wehlers âDeutsche Gesellschaftsgeschichteâ. Beck, MĂźnchen 2009, S. 129; Sebastian Huhnholz: â⌠eingeklemmt zwischen zwei grĂśĂeren Häusern.â Versuch eines psychopolitischen Doppelporträts anlässlich des einhundertsten Geburtstags Erich Honeckers. In: Berliner Debatte Initial, 23/2 (2012), S. 5, uni-muenchen.de (PDF; 289 kB)
cite-note-100100. â Norbert F. PĂśtzl: SpieĂer mit Machtinstinkt. In: Spiegel Geschichte 2/2009. 31. März 2009, abgerufen am 19. Januar 2013.
cite-note-101101. â Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur: Alltag und Herrschaft in der DDR 1971â1989. Ch. Links, 1998, S. 42 ff.
cite-note-102102. â Timothy Garton Ash: âUnd willst du nicht mein Bruder sein âŚâ. Die DDR heute. Aus dem Englischen von Yvonne Vesper-Badal, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-33015-6, S. 168.
cite-note-0-103103. â Hans-Joachim Maaz: Der GefĂźhlsstau, C.H. Beck, MĂźnchen 2010, S. 129â132.
cite-note-104104. â Bernd BrĂźckner: An Honeckers Seite. Der Leibwächter des Ersten Mannes. Verlag Das Neue Berlin. Berlin 2014, S. 14.
cite-note-105105. â Niederschrift des Gesprächs von Egon Krenz und Michail Gorbatschow in Moskau, 1. November 1989 | Chronik der Mauer. Abgerufen am 11. März 2022.
cite-note-106106. â Rolf Langebartels: Udo Lindenberg und Erich Honecker. Schalmei und Gitarre. Klangbeutel Nr. 109, 8. August 2002
cite-note-107107. â Denise Peikert: Kabarettist Uwe Steimle und die Frage, wann ein Witz ein Witz ist. 4. August 2022, abgerufen am 4. April 2024.
cite-note-108108. â Peter Zander: âVorwärts immer!â â JĂśrg SchĂźttauf als Erich Honecker. (abendblatt.de [abgerufen am 22. Oktober 2017]).
cite-note-109109. â Neues Deutschland, 29. Mai 1981, S. 1.
cite-note-110110. â Staatsbesuch des Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Erich Honecker in Mexico, www.defa-stiftung.de
cite-note-111111. â EhrenbĂźrger-Urkunde von Mexiko-Stadt fĂźr Erich Honecker, www.deutsche-digitale-bibliothek.de
cite-note-112112. â Honeckers letzte Reise â Das Tauziehen um den einstigen Staatschef der DDR. In: Grimmchronik : Erinnerung als Verantwortung. 9. Juni 2020, abgerufen am 28. April 2021.
cite-note-2-113113. â Pressemappe: Honecker und der Pastor: ZDF Presseportal. Abgerufen am 20. März 2022.